Sonntag, 23. Februar 2020

Rechtsruck und Fremdenfeindlichkeit




Im Gedenken an alle Opfer rechtsradikaler Gewalt!


Die Brandstifter

Ich habe mir früher nicht vorstellen können, dass in Deutschland wieder rechte Rattenfänger solchen Zulauf erleben würden, wie wir es derzeit erleben. Zwar war mir bewusst, dass es rassistisches Gedankengut immer gab und es nie verschwunden ist und auch nie ganz verschwinden wird, aber ich hatte nicht für möglich gehalten, dass sich so viele Menschen wieder vor den Karren der Rechtsradikalen spannen lassen würden.
Doch inzwischen sind es nicht mehr "nur" radikale Kleinstparteien wie die NPD, die Republikaner oder die DVU, die zeigen, das rechtsradikales Gedankengut immer existierte. Inzwischen ist Rassismus wieder dabei, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen. Ressentiments gegen Juden und Muslime werden geschürt, Flüchtlinge als Wirtschaftsmigranten verunglimpft, Journalisten mit Morddrohungen eingeschüchtert, Hass gegen Minderheiten ohne Scham verbreitet. Der Hass hat sich virusartig im Netz verbreitet. Viel zu lange wurde die Gefahr von Rechts verharmlost. Es geht nicht um psychisch kranke Einzeltäter. Wir erleben eine Welle rechten Terrors in Deutschland.

Herr Höcke forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad". Bei einer Pegida-Kundgebung sagte er kürzlich folgendes: „Die Herrschaft der verbrauchten Parteien und Eliten muss abgelöst werden, und wir werden sie ablösen. Das Land steht Kopf. Wir müssen es wieder auf die Füße stellen, wir müssen das Unterste wieder nach unten stellen. Wir werden diesen Kampf gemeinsam führen und gemeinsam gewinnen.“ oder das: Wenn die AFD an der Macht sei, "werden wir die sogenannte Zivilgesellschaft, die sich aus Steuergeldern speist, leider trockenlegen müssen“. Es gibt noch zahlreiche andere Belege für die Gesinnung dieses Faschisten, mehr Raum möchte ich ihm hier nicht einräumen. 
Die Widerstandsrheotrik der AFD insgesamt an Heuchelei nicht  zu überbieten. Ständig gerieren sie sich als Opfer von angeblich fehlender Meinungsfreiheit, während sie die bis zum Äußersten ausnutzen. Sie sind keine Opfer, die gegen Verbote kämpfen, sie wollen damit nur ihre gefährlichen Thesen verschleiern. Um dann von einem Versehen sprechen, um immer neue Grenzen auszuloten, wie radikal sie sich ohne Konsequenz äußern können. 
Und es waren keineswegs nur die Vertreter der AFD, die diesen Rechtsruck befördern. Die CSU hat immer wieder rechte Positionen bedient, bezeichnend, dass Horst Seehofer die Migration als "Muttter aller Probleme" bezeichnet hat. Erika Steinbach durfte jahrelang in der CDU Unsagbares ohne Konsequenzen äußern. Und auch Thilo Sarrazin hat als SPD-Mitglied Bücher veröffentlicht, die den Rechten das Feld bereitet haben, indem er eine Bedrohung der Deutschen durch Migranten als Teufel an die Wand gemalt hat. 

Es liegt nun etwa fünf Jahre zurück, dass ich begann zu begreifen, welche Dimension dieser Rechtsruck auch hierzulande entwickeln könnte. Dabei möchte ich nicht ausblenden, dass es bereits zuvor die schrecklichen Taten des NSU gab, der eindeutig Rechtsterrorismus war und bis heute völlig unzureichend aufgeklärt ist, ja man versuchte gar Opfer zu Tätern zu machen. Auch die Vorfälle in Solingen oder Rostock-Lichtenhagen in den 90er-Jahren waren schockierend und es gibt viele andere verbecherische Taten, die ich hier nennen könnte. 
Trotz allen Entsetzens über die Taten selbst und den juristischen, politischen und öffentlichen Umgang damit, dachte ich nicht, dass dieses Land noch einmal in den Faschismus kippen könnte. Heute bin ich mir da nicht mehr sicher. Fest steht für mich einzig, dass die Gefahr des Faschismus nicht an uns vorüberziehen wird, wenn sich nicht größere Teile der Bevölkerung dem entschieden entgegenstellen.
Es gab keinen Aufschrei, als die Recherchen der TAZ über die"Hannibal"-Gruppe publiziert wurden, die zeigten, dass die sich in Teilen von Bundeswehr, Polizei, SEK und AFD eine Gruppe gebildet hatte, die Todeslisten führte und Anschläge plante. Es gelingt noch nicht einmal dieses unheilige Treiben klar als Rechtsterrorismus zu benennen und entsprechende Prozesse in Gang zu bringen. Die jüngsten Razzien haben unterstrichen, wie hoch die Bereitschaft zur Gewalt gegen Minderheiten und sich mutig für die Demokratie bekennende Aktivisten in der rechten Szene ausgeprägt ist. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Über das Verhalten des Verfassungsschutzes mache ich mir keine Illusionen.

Sicher sind die Faschisten weit davon entfernt, Mehrheiten in diesem Land für sich zu gewinnen, der Erfolg rechtsradikaler Bewegungen beginnt aber viel früher. Eine Gesellschaft kippt nicht erst, wenn Rassisten und ihrer Miläufer in der Mehrheit sind, sondern bereits dann, wenn man sie gewähren lässt, zulässt, dass sie die Grenzen des Sagbaren überschreiten und damit verschieben. Gibt es keinen Aufschrei, setzt ein Prozess der Gewöhnung, der Abstumpfung ein. Dieser Prozess ist schon erschreckend weit vorangeschritten. Natürlich darf man nicht über jedes Stöckchen springen, das einem hingehalten wird, um den Radikalen nicht unnötig Schlagzeilen zu bieten. Aber Grenzüberschreitungen wie Relativierungen des Holocausts und ähnlichen unmoralischen Ausfällen muss klar widersprochen werden und sie müssen geahndet werden. Die Verrohung der Sprache ist brandgefährlich, Begriffe wie "Flüchtlingswelle", "Nafris" oder "Messermigranten" sind entmenschlichend und dürfen nicht zum allgemeinen Sprachgebrauch werden. Mit der Sprache beginnt die Ausgrenzung. Medien nehmen dabei eine wichtige Rolle ein. Sie müssen aufpassen, nicht zu Echokammern zu verkommen und gleichzeitig Haltung einnehmen. Ich will weiterhin kritische Medien, die man auch hinterfragen darf und muss. Ein "Online-Pranger" ist keine Alternative zur aufwendigen Recherche!

Was mich vor allem besorgt ist, wieviele Menschen lieber zur Radikalisierung schweigen, als sich klar im Alltag abzugrenzen. Schlimmer noch: Vielen "Bürgerlichen" ist jedes sozialdemokratische oder gar linke Politikverständnis verhasst, links und rechts werden verharmlosend gleichgestellt und im Zweifelsfall ist der Schulterschluss mit der AFD näher als eine Koalition mit der Linken. Dabei ist es absurd, die AFD und die Linke in Thüringen gleichzusetzen. Aufgrund der Tatsache, dass Koalitionen immer schwieriger werden, ist das ein fatales Signal. Eine klare Mehrheit gegen die AFD besteht, aber die CDU verweigert sie. Ihr politischer Gegner ist Rot-Rot-Grün und erst dann die AFD. Die CDU muss sich entscheiden, ob sie sich für neue Bündnisse öffnet oder in der Bedeutungslosigkeit verschwindet. Die Wähler, denen die CDU nicht rechts genug ist, werden ohnehin bei der nächsten Wahl die AFD wählen. Konnte der Tabubruch einer Zusammenarbeit zwischen CDU und AFD in Sachsen und Sachsen-Anhalt gerade noch abgewendet werden, so haben die Ereignisse im Thüringer Landtag deutlich unterstrichen, wie ernst es inzwischen steht. Es gibt in Teilen der "bürgerlichen" Parteien eine erschreckende Bereitschaft mit Rechtsradikalen zu paktieren, um die eigene Macht zu sichern.  


Der Nährboden

Ich möchte noch einmal ein bisschen zurückgehen. Welche Hoffnungen hatten Bewegungen wie die "Indignados" in Spanien, "Occupy" oder der "Arabische Frühling" in mir ausgelöst. Endlich kamen wieder Menschen zusammen, die von einer emanzipatorischen, solidarischen Zukunft träumten und neue Utopien miteinander entwickelten. Occupy benannte den Finanzkapitalismus als eines der zentralen Probleme unserer Zeit und lehnte die Bankenrettung aus Steuergeldern ab. "Too big to fail" sollte nicht mehr möglich sein. Die riskanten Geschäfte der Spekulanten ohne Bezug zur Realwirtschaft und Ressourcen gehen im Fall des Gewinns an die Aktionäre, im Fall des Verlustes werden die Schulden auf die Allgemeinheit abgewälzt. Daran hat sich nicht ansatzweise etwas geändert.
Damals gab es schon Versuche, die Bewegung von Rechts zu kapern, gerade bei der berechtigten Kritik an unserem Geldsystem tauchten auch antisemitische Stereotype auf. 

Hört man den Rechtspopulisten zu, könnte man meinen, wir würden kurz davorstehen, in eine öko-kommunistische Diktatur abzurutschen. Das ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Der Sozialstaat wird seit einem Jahrzehnt demontiert, die Löhne stehen in einem ungesunden Verhältnis zu den Mieten, der Niedriglohnsektor zerstört Solidarität und Chancengleichheit, große Teile der Bevölkerung drohen in Altersarmut abzurutschen. Der soziale Bereich mit Altersheimen, Behinderteneinrichtungen, Krankenhäusern und mobilen Diensten ist erschreckend unterversorgt, seit er Gewinne erzielen muss. Ausgetragen werden diese Zustände auf dem Rücken von Patienten, Bewohnern, Ärzten und Pflegekräften. 

Trotz möglicher linker Mehrheiten in Deutschland ist die Politik konservativ geprägt und in erster Linie arbeitgeber- und unternehmensfreundlich. Da können die bürgerlichen noch so von einer angeblichen "Sozialdemokratisieung" der Union unken, es bleibt falsch. Mag sein, dass Frau Merkel unter großem Druck einige progressive Schritte unternommen hat, die "Ehe für Alle" wurde eingeführt, die Abschaltung der AKW´s (erneut) beschlossen, ein Mindestlohn, der aber unzureichend ausfällt, für einen kurzen Moment hat sie die Abschottungspolitik in einem Krisenfall durchbrochen, als viele Flüchtlinge in Ungarn strandeten und kurz vor der Internierung standen. Vorher und seitdem tut sie wieder alles für die "Festung Europa".

Viel eher hat die Sozialdemokratie ihre Grundwerte mit den Hartz IV-Reformen verbogen und hat sich ebenfalls dem Unternehmertum angedient und ihre alte Arbeiter-Klientel endgültig verraten.
Insgesamt ist die Parteienlandschaft und die Gesellschaft in meinen Augen nach Rechts gerrückt, nur so entstand die Stärkung der Linken als Position links der SPD. Die AFD wiederrum ist es gelungen, die anzuziehen, denen die wenigen progressiven Haltungen von Frau Merkel zuviel wurden, weil sie weiterhin ausschließlich Ideale in der klassischen Familie sehen, Einwanderung weitestgehend ablehnen und denen deutsche Identität wichtiger sind als pragmatische Entscheidungen für die Zukunft und die Anerkennung einer offenen Gesellschaft, die sich erheblich gewandelt hat. Tatsächlich haben wir in den letzten Jahrzehnten eine liberale Öffnung in vielen westlichen Gesellscahften erlebt, die Welt ist durch die Globalisierung und die neuen Medien mehr verflochten als jemals zuvor. Ich verstehe den (globalen) Rechtsruck auch als ein Versuch, diese Entwicklungen umzukehren.
 
Weiter wird ideologisch die angebliche Intelligenz des "freien Marktes" beschrien, die Ökonomisierung hat sich in alle Lebensbereiche vorgearbeitet. Noch immer zirkuliert ein Vielfaches der Geldsumme in Finanzderivaten, als alle Werte, die auf diesem Planeten existieren und sucht seinen Weg in immer neue Geschäftsbereiche. Das verzerrt die Realwirtschaft auf bizarre Weise, bis heute geht dieses destruktive Geschäftsgebaren weiter. Wenn der Finanzkapitalismus nicht gezähmt wird, dann wird er stärker als die Politik und die Demokratie (bleiben). Ich sage nicht, dass diese Entwicklung den Rechtsradikalismus bedingt. Es ist wichtig zu betonen, dass viele Rechtsradikale Überzeugungstäter sind, die genau wissen, was sie tun. Aber die soziale Schieflage schafft ein Vakuum und einen Nährboden für Extremisten.
Arm und Reich driften immer weiter auseinander, die Mittelschicht erodiert und entwickelt (berechtigte) Abstiegsängste. Radikalisiert haben sich in den letzten Jahren auch die, die etwas zu verlieren haben oder zumindest dieses Gefühl haben.
In diesem reichen Land verfällt die Infrastruktur, viel zu wenig wird in Bildung investiert, Lehrer und Pfleger fehlen in unvorstellbarem Ausmaß, der Staat verteidigt seine unsinnige "schwarze Null" und beschädigt damit die Zukunft der jüngeren Generationen. Der "schlanke Staat", wie ihn sich die Neoliberalen wünschen, ist nicht mehr in der Lage und Willens, die Wirtschaft zu regulieren und überlässt den Marktmechanismen und global agierenden Unternehmen die Führung, lässt zu, dass Geld in Steueroasen versinkt. 
Vernünftige Investitionen in eine sich radikal und rasant verändernde Zukunft werden verschleppt. Politiker wechseln in die freie Wirtschaft, die EU-Komission zaubert Ursula von der Leyen aus dem Hut, die gar nicht angetreten war. So wird die europäische Idee nachhaltig beschädigt. Die Politik hat viel Vertrauen in die Parteien, die Demokratie und den Glauben an eine (relative) Chancengleichheit verspielt.  
Doch statt diese gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten anzugehen und dagegen zu protestieren, blühen wieder Feindbilder, Fremde wären schuld an der Misere.
Tatsächlich sind es die globalen Geldströme, die ungehindert Grenzen überwinden, nur eine kleine Elite profitiert davon. Unternehmen, die keine oder kaum Steuern bezahlen, obwohl sie von der staatlichen Infrastruktur profitieren, die Arbeitnehmerrechte global gegeneinander ausspielen, die Dumping betreiben und Preise diktieren, die den Produzenten die Luft zum Atmen nehmen. Ich verstehe Jeden, der darüber wütend ist, aber es ist völlig falsch, ausgerechnet die zu Sündenböcken zu machen, die so wenig Hoffnung haben, dass sie fliehen, gebeutelt von geostrategischen Kriegen, Umweltkatastrophen oder schlicht dem Wunsch nach dem völlig verständlichen Wunsch nach einem Leben in Würde.
Wir leben in einem Land, in dem es in fast jeder Familie Flucht- und Vertreibungsgeschichten gibt, das sollte doch Empathie für das Schicksal Anderer in Not geratener auslösen. Integration ist sicher ein Prozess, der Geduld bedeutet, aber er ist auch ein Motor, der kulturelle Vielfalt, aber auch wirtschaftliche Impulse bedeutet. 
Ganz zu schweigen davon, dass viele "Menschen mit Migrationshintergrund" Deutsche sind, hier geboren und fest integriert, ein wichtiger Teil der Arbeitsgesellschaft, völlig zurecht mit den gleichen Rechten und Pflichten ausgestattet wie alle anderen, ein wichtiger Teil unserer Zukunft. Sie gehören unbedingt zu Deutschland, ganz gleich welcher Religion sie angehören oder welche Kulturen sie aus ihrer früheren Heimat mitgebracht haben. Entscheidend ist allein das Bekenntnis zu unserem Grundgesetz!



Das Gift verbreitet sich

Wirklich die Augen geöffnet für das Gift, das sich in diesem Land verbreitet, bekam ich bei meinen ersten Besuchen in Sachsen 2014. Mit Schaudern fuhr ich durch mehrere Straßendörfer im Erzgebirge, in denen ausschließlich NPD-Werbung plakatiert war. Hunderte Plakate säumten die Straße, einziger anderer Bewerber zeigte sich auf einem FDP-Plakat, das Dealer und Diebe festzunehmen versprach. Es war Landtagswahlkampf, Pegida würde bald gegründet werden, die "Flüchtlingskrise" steuerte auf ihren Höhepunkt zu, vor allem der Krieg in Syrien zwang Hundertausende zur Flucht aus ihrer Heimat. Auch acht Jahre danach verhindern die Großmächte und der Diktator Assad den Frieden. 
Europa konnte und kann sich nicht auf eine Verteilung der Flüchtlinge einigen, Südeuropa wurde allzulange mit dem absehbaren Zustrom von Hilfesuchenden alleingelassen, die einzige und zynische Hoffnung lag und liegt in der Abschottung der Grenzen mithilfe von FRONTEX. Um dann von europäischen Werten zu faseln, während man sie aufgibt.
Die Toten im Mittelmeer sind eine Schande für Europa, die seit Jahren anhält. Auch die Zustände in den Aufnehmelagern auf den griechischen Inseln und in Italien oder die Gestrandeten auf der abgeschotteten "Balkanroute" sollen jede Hoffnung Flüchtender zerstören. Das ist nicht nur zynisch, sondern es ist unmenschlich und unzivilisiert. Es wäre ein leichtes, diese Menschen aufzunehmen und in Europa zu integrieren. Viele würden gar dringend auf den Arbeitsmärkten gebraucht, doch stattdessen werden zunehmend gut Integrierte abgeschoben. Es wäre kein Problem, vernünftige Einwanderungsgesetze zu schaffen und gleichzeitig das im Grundgesetz verankerte Recht auf Asyl zu gewährleisten. Natürlich sollte man auch in Krisenstaaten helfen, das wusste schon Willy Brandt, doch es ist völlig unzureichend umgesetzt worden. Viel eher paktieren die Politiker Europas mit Despoten mit der Hoffnung, sie würden verzweifelte Menschen an ihrer Flucht hindern. Erbärmlich!



Erfahrungen aus Chemnitz

2015 zog ich in die Nähe von Chemnitz und später in den Stadtteil Sonnenberg. Dreieinhalb Jahre habe ich dort gelebt. Das alte Arbeiterviertel ist seit langem ein sozialer Brennpunkt, Rechtsradikale versuchten seit Langem hier einen "Nazikiez" zu etablieren. Die verheerenden Folgen von Crystal Meth spielten ihnen in die Karten. Viele Jahre war Chemnitz Europas "Crystal-Hauptstadt". Auf dem Sonnenberg steht auch das Stadion des Chemnitzer FC, der in der Vergangenheit immer wieder aufgefallen ist, seinen vielen rechtsradikalen Fans eine Bühne zu bieten, um sich später zu distanzieren.
Ich möchte unbedingt betonen, dass Chemnitz auch Anderes zu bieten hat. Freiräume für Kultur, alternative Jugendclubs und Brückenköpfe, bezahlbarer Wohnraum, viele Künstler. Wer in Chemnitz linke Positionen vertritt, weiß, welcher Gegenwind ihm entgegenbläst, ich war gerne an der Seite dieser mutigen Menschen. Viele hatten zu Beginn der 90er Übergriffe erlebt, Angriffe auf Jugendclubs, Verfolgung durch militante Hooligans. Sie wissen, um was es geht.

In diesen Jahren habe ich viele Einstellungen gehört und Dinge erlebt, die mich verstört haben. Unzählige Verschwörungstheorien habe ich anhören müssen, bin völkischen Siedlern, harmlosen und gefährlichen Reichsbürgern begegnet, elendes Geschwätz von "Umvolkung", "links-grün-versifften" gehört, ja, Demonstrationen, in denen Redner vor meinem Fenster ihre Abscheu vor "Rassenschande" hinausschrien. Rechtsrockkonzerte mit offener rechtsradikaler Symbolik haben viel Geld in die Kassen der Extremisten gespült und zogen Rechtsradikale aus dem ganzen deutschsprachigen Raum an.
2018 wurde Chemnitz weltbekannt. Menschen, die nicht deutsch aussahen, wurden durch die Stadt gejagt. Ereignisse, die vom Chef des Verfassungsschutzes Maaßen und vielen Anderen bestritten wurden, umgedeutet als Versuch, den Ruf der Stadt in den Dreck zu ziehen. Damals verbrüderte sich die AFD öffentlich mit der noch radikaleren Gruppierung "Pro Chemnitz", die seit Jahren im Stadtrat vertreten ist, darüber hinaus mit Neonazis und Hooligans aus ganz Deutschland, die das Zögern, die mangelnde Abgrenzung und die Verharmlosung von Seiten der sächsischen Polizei nutzten, um zu zeigen, wie gut sich die neurechte Szene vernetzt hat und wie schnell und schlagkräftig sie sich inzwischen mobilisieren lässt.
Anlass war der Mord an Daniel H., einem kubanischstämmigen Deutschen, der in seiner Vergangenheit selbst unter rechten Anfeindungen und Gewalt gelitten hat und dessen Familie sich vehement dagegen wehrte, den Tod ihres Sohnes zu instrumentalisieren, egal von welcher Seite. Trotzdem wurde die Trauer um den Tod eines Menschen schäbig benutzt. Das geschah wieder und wieder, Chemnitz war nur das deutlichste Beispiel für diese Strategie.
Es gibt einige Gruppen, wie "Chemnitz Nazifrei", die sich dem mutig entgegengestellt haben, das Konzert "Wir sind Mehr" brachte für einen Moment Menschen aus Chemnitz und aus der ganzen Republik zusammen, die das nicht unwidersprochen lassen wollten. Es war eine großartige Stimmung an diesem Abend. Bezeichnend, dass sich alle Teilnehmer im Bericht des Sächsischen Verfassungsschutzes als "Linksextreme" gezählt wurden. Später reichte ein Justizvollzugsbeamter den Haftbefehl mit vollem Namen illegalerweise weiter und er wurde im Internet veröffentlicht. Der Verdächtige wurde in einem Schnellprozess unmittelbar vor den Landtagswahlen in Chemnitz verurteilt, obwohl es nur unzureichende Indizien gab, aus reiner Furcht vor neuen Aufmärschen.
Am Ende war es mit aller Wahrscheinlichkeit ein Geflüchteter, der die Tat begangen hat. Es geht mir auch nicht darum, zu behaupten, es gäbe keine Gewalt, die von Flüchtlingen ausginge. Das wäre absurd. Es sind Menschen, die in überwiegender Mehrheit voller Hoffnung und der Bereitschaft, sich ein neues Leben in Deutschland aufzubauen, hierherkommen, aber es sind nicht alles Heilige. Wie könnte das auch sein? Das Problem ist die Fokussierung auf die Herkunft der Täter, tatsächlich begehen Geflüchtete nicht mehr Gewalttaten als Deutsche und wir haben eine Justiz, die regelt, wie Gewalt geahndet wird. Dabei sollten alle gleich sein unter dem Gesetz. Alles Andere ist Propaganda und Preisgabe von Rechtsstaatlichkeit.
Jürgen Elsässers widerliches "Compact"-Magazin konnte man in Chemnitz selbst im Edeka kaufen. Schon auf dem Cover wurde man mit Propaganda zugemüllt. Angela Merkel wurde als "Königin der Schleuser" oder "Mutti Multikulti" verunglimpft, "Hass auf Deutsche" beschworen, mit "Freiwild Frau" das ekelhafte Narrativ des vergewaltigenden Fremden erzählt, mit "Asyl. Die Flut" eine Bedrohung beschworen, immer die Grünen und Linken als Feindbild. Alles vorhersehbar, aber leider auch gerne gelesen und es verfängt bei vielen. Mit ähnlich verheerenden Folgen wie die Propaganda in den sozialen Medien. Viele Andere spielen dieses perfide Spiel mit, ob "Identitäre Bewegung", der Verein "1 Prozent", extreme Vereinigungen wie die kürzlich verbotene "Combat 18", die ebenfalls verbotene "New Scool Society" oder die "Bruderschaft Deutschland", um nur drei zu nennen. Die Grenzen zwischen Rechtsradikalen und Rechtskonservativen verwischen immer mehr.

Auch die Wahlplakate in Chemnitz sprachen eine deutliche Sprache. Das Aufmacherbild dieses Artikels zeigt ein Plakat, das "reserviert für Volksverräter" ist, eine kaum verhohlene Drohung, wie man im Natioalsozialismus mit Andersdenken umgegangen ist und wieder umzugehen gedenkt. Andere zeigten eine schwarze Hand, von der Blut tropft, mit dem Zusatz "Multikulti tötet". Beides Plakte der radikalen neonazistischen Partei der "3. Weg", mit dem Zusatz "Wählt deutsch!" in Frakturschrift.
Bei der Europawahl 2019 wählten in "meinem" damaligen Stadtviertel, dem Sonnenberg, ein Drittel der Wähler AFD oder "Pro Chemnitz". Das alles gehr nicht spurlos an einem vorbei, das sorgt für Verunsicherung. Anschläge auf das Büro der Linken-Abgeordeten häuften sich und zwei linke Cafés wurden mit Großkaliber beschossen und eines mit einem Brandsatz angegriffen, der glücklicherweise nicht zündete. Flüchtlingsheime und Flüchtlinge wurden bedroht und angegriffen.


Radikalisierung und Rechtsterrorismus

Das Ganze ist aber ein bundesweites Problem, auch wenn die AFD bisher im Osten Deutschlands am stärksten ist, wird sie von Funktionären aus Westdeutschland dominiert, ob sie nun Höcke, Gauland oder Kalbitz heißen. Sie sind Brandstifter, die die Verbrechen der Nazis als einen "Fliegenschiss" in einer insgesamt "glorreichen" deutschen Geschichte bezeichnen. Dass es auch an einzelnen Orten im Westen nicht wirklich besser steht, zeigt auf erschreckende Weise die Zustände in Dortmund-Dorstfeld und die bundesweiten Anschläge. Lange gab man sich vielleicht gemäßigter, aber die Masken sind längst gefallen. Tatsächlich gab es vor Jahren einen gezielten Austausch zwischen der Dortmunder und der Chemnitzer Rechten Szene. Rechtsradikale siedelten sich auf dem Sonnenberg an  und versuchten die Strategien der Rechten Szene Dortmunds in Chemnitz zu kopieren.

Nur weil die Tür der Synagoge in Halle gehalten hat, ist vor wenigen Monaten ein schreckliches antisemitisches Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes ausgeblieben. Walter Lübcke wurde vor seinem Haus ermordet. Vor Wochen gab es einen Anschlag mit Schusswaffen gegen das Büro des SPD Abgeordneten Karamba Diaby. Daneben gibt es tägliche Vorfälle, die man als Alltagsrassismus bezeichnen muss. Jetzt erfolgte gerade der furchtbare Anschlag in Hanau, ein rassistischer Täter, der neun Mitbürger auf grausame Weise ermordet hat.


Geschichte verpflichtet

Kürzlich hat sich die Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz zum 75. Mal gejährt. Über viele Jahre hat sich Unfassbares hinter seinen Mauern abgespielt. Hier und in anderen Lagern wurden Millionen von Menschen ihrer Würde beraubt, gequält, gefoltert und grausam ermordet. Menschen, denen das Recht auf Leben abgesprochen wurde: Juden, behinderte und psychisch erkrankte Menschen, Homosexuelle, Sinti und Roma, Regimegegner, Dissidenten aller Art.
Alleine in Ausschwitz wurden über einer Million Menschen das Leben genommen. Mit Zahlen lässt sich das Grauen nicht fassen. Ich habe den vier Überlebenden zugehört, die während des Festaktes die Courage aufgebracht haben, von ihren schrecklichen Erfahrungen zu berichten. Es war beklemmend auch nur zuzuhören und unmöglich, sich das Grauen wirklich vorzustellen. Eindrücklich erzählten sie von dem Unfassbaren, das sie erleben mussten, von der Hoffnung, die sie am Leben gehalten hat, von der Angst, dass sich die Geschichte wiederholen könnte, und ihren Beschwörungen, dagegenzuhalten.

Als wir in meiner Schulzeit die Themen Nationalsozialismus und Holocaust intensiv behandelt haben, war ich erschüttert. Was ich erfuhr, hat in mir große Beschämung ausgelöst. Das war schmerzhaft, aber auch eine wichtige Mahnung. Denn es erwächst eine Verantwortung daraus. Nie wieder dard so etwas geschehen. Wenn dieser schrecklichen Geschichte etwas Gutes abzugewinnen war, dann doch, dass es ein Bewusstsein gab für die schrecklichen Verbrechen der NS-Herrschaft, der sich meine Großelterngeneration in den Anfängen nicht widersetzte, und der Versuch einer Aufarbeitung und die Schaffung einer lebendigen Erinnerungskultur. In einem modernen, geschichtsbewussten, weltoffenen Deutschland steckt meine große Hoffnung und ich war zuversichtlich, dass Deutschland gerade mit diesem Bewusstsein eine wichtige diplomatische Rolle einnehmen könnte, um in aktuellen Konflikten zu vermitteln. Das ist aber unmöglich, wenn man selbst Waffen in Konflikte liefert.


 Einwanderung als Bereicherung

In meiner Jugend bestand mein Freundeskreis aus einer bunten Mischung von Nationalitäten und ich empfand das als Selbstverständlichkeit, ja als große Bereicherung. Und so verstehe ich Einwanderung insgesamt. 
Auch meine Reisen haben mich darin bestätigt, dass uns als Menschen insgesamt viel mehr miteinander verbindet als trennt. Kultur ist immer auch eine Folge von Vermischung verschiedener Traditionen, verschiedener Ideen oder Philosophien. Die Rechten hingegen behaupten "Ethnopluralismus" bestehe darin, alle Völker sollten in ihren Ländern bleiben, eine Vermischung sei schädlich. Es ist reiner Nationalismus. Noch reden sie von "Remigration", eigentlich meinen sie Deportation, denn was sollte man sonst mit denen tun, die nicht freiwillig gehen wollen und hier zuhause sind. Es ist ekelhaft!

Die rechte Szene hat sich immer mehr radikalisiert. Es gibt viele, die sich ihnen gegenüberstellen, das ist ein wichtiges Signal. Sie brauchen Solidarität. Dafür muss man nicht in allen Punkten übereinstimmen. Sich auf Antifaschismus zu einigen, ist völlig ausreichend. Ich schreibe das alles nicht als Held, ich habe selbst noch viel zu wenig getan. Aber immerhin weiß ich auf welcher Seite ich stehe und gehe Diskussionen nicht aus dem Weg, auch wenn sie oft anstrengend und depremierend sind. Das ist das Mindeste.




Blick über den Tellerand - Rechtspopulisten weltweit

Das alles ist kein rein deutsches Phänomen. Das war der Anisemitismus im letzten Jahrhundert auch nicht. Aber wir leben in dem Land, in dem das denkbar grausamste rechtsradikale Regime errichtet wurde. Und daher haben wir eine besondere Verantwortung und es ist unglaublich wichtig, dass sich in Deutschland die durchsetzen, die aus unserer Geschichte gelernt haben.

Trotzdem ist es wichtig, über den Tellerrand zu schauen. Die Rechten gewinnen überall Parlamente. In Ungarn unternimmt Orban einen Feldzug gegen die Presse- und Kulturfreiheit, die PIS-Partei regiert mit ihrer national-konservativen Politik in Polen, die FPÖ hat Österreich grundlegend verändert, Salvini macht Stimmung gegen Flüchtlinge. In fast allen europäischen Ländern gibt es inzwischen stark rechtspopulistische Strömungen.
Das gilt auch global: Trump verschärft die Rhetorik gegen Hispanics und Schwarze, verunglimpft sie als Vergewaltiger und Verbrecher, seine demokratischen Gegner als Sozialisten. Modi will Indien in einen reinen Hindustaat umbauen, Erdoğan und Putin träumen von neuen Großreichen, Brasilien hat mit Bolsonaro einen Präsidenten gewählt, der Goebbels zitiert und Afrobrasilianer hasst.

Das ist alles nicht nur Folge einer Stärke der Rechten, sondern auch eine Schwäche der Linken. Gerade die linken Regierungen in Südamerika haben viel Vertrauen verspielt, weil es Ihnen nicht gelungen ist, der Korruption zu widerstehen und selbst autoritär zu regieren.
Linke Bewegungen insgesamt tuen sich im Moment offensichtlich viel schwerer damit, sich auf Minimalkonsense zu besinnen und von dort aus solidarische Alternativen aufzuzeigen. 


Wehrt und solidarisiert Euch! 

Sollten wieder Rechtsradikale die Macht übernehmen, werde ich nicht schweigen. Ich werde mich nicht arrangieren können, davon bin ich zutiefst überzeugt. Am Ende zählt jede Stimme, die sich diesem Rechtsruck entgegenstellen, egal ob sie sich als links, bürgerlich oder liberal versteht. Diese Differenzen sollten zweitrangig sein.  

Ich will nicht in einem Land leben, dass pauschal Menschen ausgrenzt, die schon seit Jahrzehnten in diesem Land leben, hier geboren wurden oder kürzlich angekommen sind und sich in großer Mehrheit redlich an dieser Gesellschaft beteiligen. Das ist inakzeptabel. Ihre Stimmen sollten endlich stärker gehört werden, statt nur über sie zu sprechen.
Es geht mir hier nicht um Panikmache, man darf sich von Rechtspopulisten nicht vor sich hertreiben lassen. Doch es geht um eine klare Haltung und darum, für sie einzustehen. Menschenrechte gelten für Alle oder für Niemanden! Nehmt die Bedrohung ernst, bezieht Position, schweigt nicht, wenn Menschen ausgegrenzt oder bedroht werden, sondern solidarisiert Euch mit Ihnen! Nur dann bleibt dieses Land lebenswert.


Einige wenige aktuelle Links:


Die Mütter von Hanau - Gastbeitrag auf Spiegel Online von Sinem Taşkın. 
 
Die letzte Folge der "Anstalt" hat den Rechtsruck auf beeindruckende Art beleuchtet.

Der Monitor hat die Taktik der "Selbstverharmlosung" der Neuen Rechten dargestellt. 
Sie setzt sich auch mit einem ihrer Vordenker, dem Verleger Götz Kubitschek auseinander.

Der Historiker Volker Weiß zerlegt die Theorie von "Einzeltätern" und zeigt auf, wie aus Hass im Netz und auf "PEGIDA"-Veranstaltungen Taten werden.

Zum Abschlus noch ein Literaturtipp: Wolfgang Schorlau - "Die schützende Hand"
Ein Kriminalroman über die NSU-Morde, akribisch recherchiert und spannend erzählt.


 

Donnerstag, 20. Februar 2020

Reisen, Existenz und die Suche nach Heimat

 
Liebe Freunde, Liebe Blogleser, Liebe Suchende,

Auch wenn es mir nicht leicht fällt, möchte ich Euch heute erzählen, wie es mir in den letzten Jahren ergangen ist und den Fokus noch einmal auf meine existentielle Suche nach (innerer) Heimat legen.



Das Reisen und meine existentielle Suche


 Im Februar 2015 war es, als ich an der Schwelle des Todes stand. Ziemlich genau fünf Jahre liegt das nun zurück. Es war auf meiner letzten größeren Reise. Damals hatte ich in den Bergen Marokkos nur mit Mühe mein nacktes Leben retten können. Ein unbändiger Lebensmut und eine tiefe innere Ruhe hatten mir das Überleben ermöglicht. Als ich mich zum Sterben hingelegt hatte, schwor ich mir, noch einmal alles zu investieren, sollte ich die finstere Nacht überleben. Ich wollte noch etwas beitragen, ich wollte lieben und geliebt werden, Alternativen für eine zukunftsfähige und lebenswerte Welt kennenlernen und wahrhaftig existieren, mit Allem, was mich ausmacht.

Nach Jahren des Umherziehens in Asien, geprägt von unzähligen Auf- und Abbrüchen, fühlte ich mich erschöpfter denn je und sehnte mich danach, wieder Wurzeln zu schlagen. Ich war schon mein halbes Leben auf der Suche nach einem Heimathafen, an dem ich Halt, Gemeinschaft, Freundschaft, Gleichgewicht und Liebe fand. An diesem Ort wollte ich mir eine Basis schaffen, einen Platz, an dem ich zur Ruhe kommen, an dem ich bleiben konnte und wollte, wenn ich müde vom Reisen war, an dem ich erwartet wurde. Ich wollte endlich ankommen.
Ich wollte nicht immer ein Getriebener bleiben, der ewig sucht, ohne zu finden. Ich konnte nicht nach jeder Reise ins Bodenlose stürzen, das zehrte mich zu stark aus und machte mich nicht frei. Auch in dieser Perspektivlosigkeit lag die Todesverachtung meines inneren Draufgängers begründet. Ich konnte nicht nur in Extremen leben, das würde nicht mehr lange gutgehen.

Außerdem wollte ich nicht mein Leben lang unterwegs auf Reisen sein. Ich hatte genug alte Vagabunden und Haudegen getroffen. Einige hatten mich begeistert. In ihren Augen flackerte nicht zu bändigende Neugier auf die Welt, sie schienen glücklich. Doch ich hatte mehr von der Sorte gesehen, die sich unterwegs verirrt hatten und ziellos durch die Welt stolperten. Sie waren auf der Flucht vor sich selbst und hatten sich verloren. Ich kannte das Gefühl und fürchtete mich vor diesem Schicksal.

Ich war kein „digitaler Nomade“ geworden, der sich mit Business-Plan durch die Welt schlängelte. Ich wollte meinen Blog nicht über Werbung vermarkten, Kooperationen mit Hotels, Airlines oder Reiseveranstaltern eingehen und fortan als „Influencer“ die angesagtesten „Destinationen“ auf Tourismusbörsen präsentiert bekommen und mich auf geführte Pressereisen einladen lassen. Ich konnte nur für etwas arbeiten, hinter dem ich moralisch stehen konnte. PR war mir schon immer zuwider. Ich wollte ein möglichst realistisches Bild der Welt zeichnen und keine Hochglanzbroschüren. Alles Andere würde meine kritische Haltung konterkarieren.
Auch aus ökologischen Gründen, kam es für mich nicht in Frage, ständig durch die Welt zu fliegen. Ich passte nicht in die Reiseblogger-Szene, meine "Nische" kam dort kaum vor. Ich wollte Niemanden zum Reisen animieren, höchstens ein Bewusstsein über die bereisten Länder und meine Erfahrungen vermitteln. Ich wollte ganz sicher keine "bucket list" abhaken oder mit einem "been there, done that"-Shirt rumlaufen.
Ich wollte schon immer Bücher schreiben. Zwei habe ich veröffentlicht, an vier Sammelbänden mitgeschrieben, für das Dritte eigene, das "Große", konnte ich noch keinen Verlag finden. Vielleicht bleibt es dabei. Ein Auskommen war bisher aus meiner Literatur nicht geworden – das war wie ein Sechser im Lotto und ich hatte mich nicht so vermarkten können und wollen, wie das vielleicht möglich, sicher aber nötig gewesen wäre.

Und ich will ehrlich sein: Ich habe große Abenteuer erlebt, ein abgeklärter Profi-Reisender bin ich nie geworden, das wollte ich auch nie. Das Reisen sollte seinen Zauber behalten und nicht zur Routine werden. Ich habe das extreme Lampenfieber nie verloren, wenn ich mich auf Reisen begab, ich machte immer wieder Anfängerfehler und brauchte Zeit, um meinen eigenen Rhythmus zu finden. Ich reiste ohne Smartphone und Vorbuchungen, mit möglichst wenig Ablenkungen und Plänen. Manchmal war Reisen Flucht nach vorne. 
Auch diese Unwägbarkeiten machten für mich das „echte“ Reisen aus, bisweilen ist es berauschend, manchmal beängstigend. Manchmal lernte man viel mehr dabei, in einer Gasse verloren zu gehen, als in einer Woche Abklappern von "Sehenswürdigkeiten". Unvergessen die tiefgreifenden Erfahrungen: Die Freiheit, unterwegs zu sein und neue Landschaften und Kulturen in mich aufzusaugen, die tiefe Zufriedenheit nach einer strapaziösen Reise oder Wanderung, der Nervenkitzel, wenn sich eine neue Welt öffnete, das Glückgsgefühl, wenn ich ganz inmir selbst ruhte oder einen Ort entdeckte, an dem ich mich zuhause fühlte. 
Genauso bleiben die Tiefschläge in Erinnerung, etwa als ich aller Unterlagen und Geld beraubt, tief in der Nacht ohne Identitätsnachweis in Siam Raep ausstieg, ohne zu wissen, wie ich weiternachen sollte. 
Lauter Gegensatzpaare hatte ich unterwegs erlebt: Innige Begegnungen und mörderische Einsamkeit, rührende Gastfreundschaft und schmerzhafte Ablehnung, schwindelerregende Hochgefühle und böse Panikwellen, Schönheit und Grausamkeit, Befremden und Verständnis, Hoffnung und Leid, Liebe und Verlassensein. 
Für mich war Reisen nie Selbstzweck oder ein besonderes Statussymbol, sondern vor allem anstrengende Erfahrung, Selbstsuche, der Versuch in anderen Kulturen und Philosophien neue Antworten auf meine Lebensfragen finden. Ich wollte wissen, wie die Menschen dort mit Leid, Liebe und Tod umgingen und wie sie Zufriedenheit definierten. Daraus wollte ich neue Hoffnung und Lebenssinn ziehen und Menschen treffen, die meine Ängste, aber auch meine Hoffnungen teilten.
Natürlich bin auch ich manchmal der Versuchung erlegen, mich zu inszenieren, aber das stand nie im Vordergrund und ich bin nicht der Verblendung erlegen, mich selbst zu überhöhen oder meine Abenteuer aufzublasen. Viel interessanter fand ich, meine Schwächen zu zeigen und auch, in welche Fettnäppfchen ich bei meiner Suche trat.

Auf dieser Suche habe ich viel entdeckt. Ich habe große Teile Südasiens gesehen, habe mich meinen inneren Ängsten und Dämonen gestellt. Alleine bin ich im Himalaya und in den Bergen Marokkos gewandert, habe mich in die Urgewalt des Ozeans hineingeworfen, habe in der Wüste geschlafen, mich der Fremde ausgeliefert so gut ich konnte. Dabei habe ich innere und äußere Grenzen verschoben und Grenzen überschritten, bin bis an den Rand meiner Existenz vorgestoßen.



Ich habe viele Menschen unterwegs getroffen, die mich inspiriert und bereichert haben, Einheimische und andere Suchende gleichermaßen. Unterwegs habe ich Landschaften, Menschen und Orte entdecken dürfen, die mich existentiell berührt haben. Überall dort ist ein Stück meines Herzens geblieben. So ist auch ein Teil der Fremde zu meiner (inneren) Heimat geworden. Es schmerzt mich zu hören, wenn Katastrophen über die Menschen dort hereinbrechen, genauso wie ich mich sehr über gute Nachrichten freue. 
Ich war von dem unermesslichen Leid auf dieser Erde erschüttert worden, doch genauso hatte mich die Schönheit unserer Welt und seiner Bewohner verzaubert. 
Ein paar Mal war ich auf einer goldenen Welle geritten, voller Vertrauen in mich und das Gespür, die richtigen Orte und Menschen zu entdecken, ganz in mir selbst ruhend oder angetrieben von unstillbarer Neugier, Sehnsucht und Freude an echter Begegnung.
An anderen Tagen fühlte ich mich unendlich einsam und verloren, war verzweifelt auf der Suche, nach einem Ort und Menschen, die mir wieder Halt gaben.
All diese Erfahrungen haben mich zu dem Mensch gemacht, der ich heute bin.

Ich hatte also viel auf meinen Reisen entdeckt und erfahren, immer wieder Frieden und Gleichgewicht in mir gefunden, festhalten konnte ich beides jedoch nie lange. Leider sind auch die Erinnerungen wenig plastisch, vielleicht habe ich zu viel erlebt, habe mein Herz an zu viele Orte und zu vielen Menschen getragen, ohne dass genug Bestand hatte. Oft stellten sich die Erinnerungen erst wieder ein, wenn ich zurückkehrte, deswegen besuchte ich besondere Orte und Menschen mehrfach, manche fehlen mir bis heute.







Die Suche nach Heimat

Meine Reisen waren auch eine Suche nach Heimat. Das klingt widersprüchlich. Tatsächlich war mein Aufbruch auch eine Reaktion darauf, dass die Suche nach Zugehörigkeit und Geborgenheit, die schon viel früher begonnen hatte, unvollendet geblieben war. Die Suche war auch eine Antwort auf das Scheitern meiner Hoffnung auf Heimat und den wiederkehrenden Verlust, wann immer ich sie gefunden zu haben schien.
Tatsächlich ist das Gefühl, Abschied zu nehmen, eines der intensivsten, die ich kenne. Bei allem Schmerz und aller Trauer, enthält es auch süße Melancholie. Kaum ein Gefühl löst in mir solche Lebendigkeit aus, im Angesicht der Vergänglichkeit spüre ich den Wert meiner Erfahrungen, meiner Entdeckungen und Begegnungen besonders deutlich. Aber tief in meinem Herzen wollte ich nicht immer weiter, sondern ich wollte bleiben, meinen Platz einnehmen, mein Potential ausschöpfen, Zufriedenheit und Beständigkeit finden.

Meine erste Heimat hatte ich früh verloren. Ich war zehn Jahre alt, als wir vom Dorf in die Vorstadt zogen. Auch in den Jahren danach hing ein möglicher erneuterter Umzug als Damoklesschwert immer über mir, ich musste befürchten, dass auch die neue Heimat keinen Bestand haben würde. Stattdessen fand ich meine Heimat in innigen Freundschaften, die über viele Jahre Fundament meines Lebens waren.

Doch in meiner Jugend kam ein erneuter Bruch in meinem Leben. Jahrelanges Mobbing veränderte alles. Es kamen die Jahre der Schlaflosigkeit, der Erniedrigungen, der Depression, der nächtlichen Angst vor meinen Peinigern und um meine Existenz. 
Ich fühlte mich ausgestoßen und verlor allen Glauben in mich, in die Welt, an einen gnädigen Gott. Ich begann, die Schule zu verweigern, war voller dunkler Gedanken und begann, exzessiv zu trinken. Die unaushaltbare Angst war immer mehr zur Aggression geworden und da ich diese Wut meist unterdrücken musste, wurde sie zur destruktiven Waffe, die nun ganz auf mich selbst gerichtet war. Während die Anderen von Frauen und Autos träumten, war mein Leben schon zu Ende, bevor es richtig begonnen hatte.
Noch viele Jahre hangelte ich mich nur von Notlösung zu Notlösung, meine Wurzeln waren vollständig gekappt und ich fand lange keinen Boden mehr unter den Füßen.

In den Träumen und in Tiefphasen setzt sich das bis heute fort: Im Traum fährt der Bus nach dem Halt im Nirgendwo ohne mich ab. Keiner hat gemerkt, dass ich fehle. Ich falle aus kilometerhohen Abgründen ungebremst nach unten, wache schweißgebadet auf. Im Schlaf werde ich noch immer verfolgt, entwertet und verlacht. So vieles ist aus der Erinnerung verbannt, und gleichzeitig in meinem Unterbewusstsein, meinem Körper und meiner Seele gespeichert. Die daraus resultierende Anspannung raubt wahnsinnig viel Lebenskraft. Es ist mir noch immer nicht gelungen, diese inneren Widerstände zu überwinden.

Hoffnung hatte mir die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger gegeben. Ich hatte gerne mit behinderten Menschen gearbeitet. Der Schichtdienst hatte die Schlafprobleme jedoch noch verschärft und der Widerspruch zwischen Theorie und Praxis war eklatant. Es war vor allem die spannende schulische Ausbildung, die mich durchhalten ließ. Auf dem Traifelberg hatte ich auch Gemeinschaft gefunden, auch wenn es nur eine temporäre war.

Nach meinem Abschluss hatte ich zwei Jahre mit schwer psychisch erkrankten Menschen in einem geschlossenen Wohnheim gearbeitet. Auch für diese Menschen empfand ich große Wertschätzung, ich war stolz, etwas für sie tun zu können, ihnen Halt zu geben.
Für mich selbst war die Arbeit jedoch grenzwertig – zu viel verstand ich von ihren Problemen. Das Team, in dem ich arbeitete, gab mir Mut, wir hielten eng zusammen.
Am schlimmsten wog die Unterbesetzung, die fehlende Würdigung der Arbeit im sozialen Bereich, die Diskrepanz zwischen dem, was möglich war und dem was wir erreichen konnten, selbst wenn wir unsere Grenzen überschritten. Als ich Jahre später noch einmal in den Bereich zurückkehren wollte, musste ich erkennen, das ich diese Arbeit nicht mehr aushielt. Das alles war neben der Sehnsucht und dem Wunsch nach Freiheit, Erfahrung und Selbstbestimmung die treibende Kraft für meinen Aufbruch nach Indien 2009.

Auch auf meinen Reisen wurde ich von den dunklen Wolken der Vergangenheit eingeholt. Manche Ängste hatte ich bezwingen können, andere waren durch mein unstetes Leben größer geworden. Unvergessen der Moment, als ich auf einer vorgelagerten Insel von Mindanao auf den Pazifik blickte und spürte, dass ich die Koordinaten verloren hatte, dass ich zu weit gereist war, meine Identität auf tönernen Füßen stand. Ich konnte nicht mehr weiter vordringen, aber ich wußte auch nicht, wohin ich zurückkehren sollte, weil ich nicht gefunden hatte, wonach ich gesucht hatte und kein Ithaka auf mich wartete.

Ich war noch immer zwischen zwei Polen meiner Persönlichkeit zerrissen: Der eine Teil ist neugierig und abenteuerlustig, voller Kraft, Hoffnung und Erwartungen, mitgerissen vom Leben, im Extrem risikobereit bis zum Draufgängertum.

Der Antagonist könnte kaum unterschiedlicher sein: er ist sanft, empathisch, liebevoll und (schutz)bedürftig. Dieser Teil ist auf der Suche nach Heimat und Liebe. Sein Extrem ist ängstlich, es verliert sich in den Gefühlen Anderer, zweifelt am eigenen Wert und reagiert mit Überanpassung.

Diese Anteile in mir sind mein Kapital, in ihren Extremen ein Fluch, denn sie verhindern Gleichgewicht, ein stabiles Selbstwertgefühl, sie erzeugen Ambivalenzen und Zwiespälte und sind zugleich ein wesentlicher Teil meiner Persönlichkeit geworden, kaum noch abzustreifen. Angesichts der langen Perioden von Dunkelheit, Hoffnungslosigkeit und Nichtexistenz, die ich erlebe, wenn der Ängstliche dominiert, drängt es mich in den kürzeren Phasen des Draufgängers hinaus, ich brenne, fühle mich getrieben, ich habe überschäumende Ideen für tausend mögliche Existenzen. Das ist letztlich nur eine Vereinfachung. Beide sind immer in mir, in unterschiedlicher Ausprägung. Das Problem ist, dass sie oft im Widerstreit liegen.
Ich hatte immer nur dann Frieden gefunden, wenn es mir gelang, diese beiden Teile in mir zu versöhnen und zusammenzufügen. Der Ängstliche konnte sich vom Draufgänger mitreißen lassen und ihn gleichzeitig vor zu großem Risiko schützen. Dieser wiederum musste die berechtigten Sorgen ernst nehmen und bei seinen Entscheidungen berücksichtigten, seine Geschwindigkeit vermindern, ohne sich ausbremsen zu lassen. Die beiden Anteile mussten aufeinander acht geben und sich nicht bekämpfen. Dabei gab es nichts zu gewinnen, sie gehörten beide zu mir, hatten ihre Berechtigung. Der Mutige konnte den Sanften tragen und umgekehrt. Ich hatte das erlebt. Das war der Weg.

Ich musste einsehen, dass ich meine Ängste nicht bezwingen konnte, indem ich mir immer größere Mutproben suchte. Das hatte die Nahtoderfahrung in Marokko noch einmal eindrücklich unterstrichen. So konnte es nicht weitergehen. Ich wollte Teil von neuen Visionen sein und Verantwortung übernehmen. Ich wollte nicht mehr davonlaufen, auch keine Flucht mehr nach vorne, ich wollte endlich nach Hause kommen.




Neue Ufer

Der schmale Grat, der mich in Marokko so nahe an das Verderben geführt hatte, war mir also nicht unbekannt und ich hatte vorher schon Konsequenzen gezogen. Denn diese Reise war die Erste, die nicht ins Ungewisse führte. Nach meiner Rückkehr hatte ich ein Ziel: Einen Bauernhof im Herzen von Sachsen. Das war für mich selbst eine Überraschung, nach all den exotischen Orten, die ich auf meinen Reisen lieben gelernt hatte.
Doch Reisen war kein Selbstzweck. Ich hoffte in der "Solidarischen Landwirtschaft" und der damit verbundenen Lebensgemeinschaft Heimat zu finden, zumindest einen Ort, an dem ich einen Kompromiss fand zwischen einem Ankerplatz und kürzeren Reisen.
Im Jahr zuvor war ich mehrfach zu Besuch gekommen und hatte dort viel Herzlichkeit erlebt. Ich wusste, dass die Gemeinschaft für einen einsamen Wolf wie mich eine Herausforderung bedeuten würde, und das Zusammenleben keinesfalls so einfach war, wie es manchmal schien, ja dass es auch hier schwierige Charaktere gab, doch ich wollte mich dem stellen. Ich wollte dazugehören und mit den Anderen Arbeit, Freizeit und eine Vision für ein essentielles Leben teilen. Ich wollte langfristig autark werden und mich dem kapitalistischen Zeitgeist entgegensetzen. Das schien der Ort mit den Menschen zu sein, nach dem ich so lange gesucht hatte. Gemeinsam wollten wir Alternativen aufzeigen, wie sich einfach, aber gesund und glücklich leben ließ.
Grundlage des Projekts war der Gemüseanbau. Die Ernte wurde an feste Mitglieder gegen einen Fixbeitrag abgegeben. Fiel die Ernte besonders gut aus, bekamen sie mehr, bei Missernten entsprechend weniger. Wöchentlich lieferten wir Gemüsekisten aus, dafür bewirtschafteten wir dreieinhalb Hektar in Mischkultur. Arbeit und Leben waren verschmolzen, und wir versuchten, gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

Doch die Gemeinschaft fand nach einem Umbruch nie wirklich zueinander. Vielmehr musste ich erleben, wie einfach gemeinsame Visionen an Egoismen zerbrechen können, wie schwierig es ist, trotz gemeinsamer Ziele, gewaltfrei zu kommunizieren. Wie viele Verletzungen überwunden werden müssen, um eine solidarische Gemeinschaft zu schmieden und wie einfach alte Traumata und erlerntes Konkurrenzdenken diese Versuche sabotieren und Kooperation verhindern, wie Machtstreben jede Solidarität zerstört. Wir waren eine Gruppe engagierter Menschen mit spannenden Biographien, doch die Mischung stimmte nicht, noch weniger die Hierarchie, Organisation und Kommunikation, um die natürlichen Konflikte im Zusammenleben vernünftig und konstruktiv zu lösen. Die Ansprüche waren riesig und umso tiefer war der Fall, als sich die Gemeinschaft in ihre Einzelteile zerlegte. Das Karussell drehte sich immer schneller, bis (fast) Alle herabgeschleudert waren. So konnten wir nicht für Alternativen zum derzeitigen Wirtschaftssystem werben. Mit unserem Scheitern machten wir es den Spöttern viel zu leicht, uns als Spinner abzutun. Und wir wurden auch nicht glücklich.

Diese Erfahrungen auf dem Hof waren bitter, frustrierend und machten mich nachdenklich. Wenn dieser Wandel schon im Kleinen so schwierig war, wie sollte er auf großer Ebene funktionieren?

Anderthalb Jahre habe ich auf dem Hof verbracht und viel über den Gemüseanbau lernen können. Es gab viele Momente der Hoffnung für einen neuen Aufbruch, ja es gab magische Abende, an denen ich große Hoffnung, Solidarität und Euphorie empfand. Vieles, was ich dort erlebte, war von einem geregelten Leben aus betrachtet, höchst ungewöhnlich, manches schreiend komisch, leider war viel von dieser Tragikkomik mit dem drohenden Untergang verknüpft, auf den wir wie Schildbürger zusteuerten.
Am Ende hatte ich ein neues Gemeinschaftskonzept kennenlernen können, das ich weiter attraktiv finde. Ich bin von der Sinnhaftigkeit dieser Lebens- und Wirtschaftsform überzeugt. Diese und andere Modelle werden in der Zukunft noch wichtig werden.





Auf dem Hof hatte ich meine große Liebe gefunden. Schon dort hatten wir auf dem Dachboden zusammengelebt. Und als absehbar war, dass wir auf dem Hof nicht glücklich werden würden und ich wieder meinen Rucksack geschnürt hätte, lud sie mich ein, zusammen in ihrer Wohnung in Chemnitz zu leben – einer der schönsten Momente in meinem Leben. Ich hatte mich so lange nach dem Ende der Einsamkeit gesehnt!
In den guten Zeiten wurde sie zum Mittelpunkt meiner Welt und ich fühlte mich an ihrer Seite geborgen und zuhause. Wir waren innig vertraut. Ihre Energie tat mir ähnlich gut, wie ihr meine Ruhe. Wir konnten wie Seelenverwandte miteinander kommunizieren, waren einander unendlich nahe, teilten viele verrückt-schöne Momente und eine komplizenhafte Vertrautheit.
Beide waren wir auf unsere Weise gebrannte Kinder, grenzüberschreitende Charaktere, im Guten wie im Schlechten. Dreieinhalb Jahre hat die Beziehung gehalten. Am Ende stand eine schreckliche Trennung. Ich hätte mich gerne im Guten getrennt, doch das war unmöglich. Und so musste ich weg aus Chemnitz. Es war nie ein einfaches Pflaster und zu vieles war mit der Liebe verknüpft, die mich hier in erster Linie gehalten hatte. Erst ein dreiviertel Jahr zuvor hatte ich die erste Wohnung seit zehn Jahren bezogen, nun musste ich schon wieder ausziehen, Abschied von den neuen Freunden und unserem Gartenprojekt nehmen.
Genauso schlimm war die Trauer, der Schmerz, die Hilflosigkeit und die Wut, vor allem aber die unnötigen Demütigungen am Ende, die in alte Kerben schlugen und kaum aushaltbare Gefühle in mir geweckt haben.
Ich habe gekämpft in diesen Jahren, zuerst um die Gemeinschaft zusammenzuhalten, dann um die Liebe, in der ich Heimat gefunden hatte. Beides ist am Ende gescheitert. Ich hatte alles getan, was in meiner Macht stand, bei allen eigenen Fehlern, aber es hatte nicht gereicht. Das war sehr bitter und ein herber Rückschlag.



Sorge und Hoffnung

Ich hatte richtige Schlüsse gezogen und viel investiert, um mir meine Basis zu schaffen, aber am Ende war sie nicht breit genug. Es war schrecklich zu erleben, wie meine Welt in Chemnitz unterging. Ich hatte das Gefühl gehabt, dass es gerade erst richtig losging.
Der plötzliche Verlust von Allem, warf mich völlig aus der Bahn. Wieder einmal musste ich alles hinter mir lassen, erlebte das Verlassen-Sein, wieder war eine Heimat verloren! 
Ich hatte längst begonnen, die bunten Scherben meiner Odyssee wieder zu einem Mosaik zusammenzusetzen. Nun hielt ich neue Bruchstücke in Händen. Denn all das hat mich in alte Untiefen gestürzt, in die Depression und Perspektivlosigkeit. Das alles war nie weg, aber ich hatte das Gefühl, mich auf einem guten Weg hinaus zu befinden. Doch ich war dem drohenden Abgrund noch nicht entkommen. Ich musste die Zufriedenheit und Geborgenheit in mir finden. So sehr ich es mir gewünscht hatte - ich war noch nicht angekommen. Das tiefe Tal hatte mich wieder eingeholt.

Dabei hatte sich Vieles in meinem Innern und meinem Umgang mit anderen Menschen zum Positiven entwickelt, seitdem ich aufgebrochen bin. Ich hatte Erfahrungen gemacht, die für mehr als ein Leben reichten. Und auch die Jahre in und um Chemnitz waren ein Teil meiner Reise und voller Erkenttnisse. Noch fehlt mir Abstand, um mit einem Lächeln zurückzuschauen, doch ich hoffe, der Tag wird kommen. Ich habe viele schöne Tage in dieser Zeit erlebt, die ich nicht bereue. Es tut einfach noch sehr weh.

Nachdem ich alles aufgeben musste, war der erste Reflex, wieder zu reisen, um unterwegs wieder zu mir zu finden. Dafür habe ich die Kraft bisher nicht gefunden, erst nach dem Weggang aus Chemnitz stürzte der Himmel über mir ein. Und so stehe ich noch immer ratlos da, unschlüssig wie und wo es mit mir weitergehen soll. 
Wieder bin ich ein Entwurzelter.

Trotz aller Rückschläge gibt es einen Teil in mir, der auf eine Zeitwende und neues Glück hofft und nicht bereit ist, aufzugeben. Ich habe viel Liebe und Zuneigung erleben dürfen, auch meine Familie steht zu mir, ich bin gestrandet, aber nicht untergegangen.
Ich habe viele Privilegien genießen dürfen, gerade das Reisen. Das Reisen und die Begegnungen haben mich und mein Bewusstsein geformt. Ich möchte das nicht wegwerfen, auch wenn mir gerade oft die Hoffnung fehlt.

Ich blicke mit Sorge in die Zukunft. Die Biodiversität schwindet rapide, wir zerstören unsere Böden mit Giften und Nitrat aus der Massentierhaltung, viele Insektenarten und viele weitere Spezies drohen auszusterben. Monokulturen und Überdüngung zerstören die wertvolle Humusschicht, der Meeresspiegel steigt, das Trinkwasser wird knapp und führt zunehmend zu schweren Konflikten, ganze Regionen veröden, die grünen Lungen der Erde in Brasilien und Indonesien werden für Soja- und Palmölplantagen zerstört.
Der Finanzkapitalismus ist weiterhin übermächtig und zerstört jede Solidarität. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. In Bombay standen die Slums und die Wohntürme der Oberschicht nur einen Steinwurf voneinander entfernt. Unser westlicher Lebensstil, dem längst global nachgeeifert wird, kann nur durch Ausbeutung aufrecht erhalten werden, wir leben in einer Zeit des Neokolonialismus.

Ich hatte auf meinen Reisen einige der Folgen unseres unstillbaren Energiehungers vor Augen gesehen: Die schmelzenden Gletscher im Himalaya, der ständig anwachsende globale Müllberg - unübersehbar in den indischen Städten und Flüssen -, die zunehmenden Klimaveränderungen: Dramatische Verschiebungen der Regensaison innerhalb weniger Jahre, die kaum noch auszuhaltende Hitze in Delhi, Wasserknappheit aufgrund von Versalzung und immer häufigeren Dürren. Ich hatte riesige Staudämme gesehen, die den Flüssen das Wasser entzogen und den Menschen ihre Lebensgrundlage. Das, was man in den letzten Jahren als „Flüchtlingsstrom“ bezeichnet hat, ist wohl leider nur ein Vorgeschmack auf das, was uns erwartet, wenn sich hunderte Millionen Menschen in Bewegung setzen sollten, weil ihr nacktes Überleben auf dem Spiel steht und die Ressourcen aufgrund unseres unstillbaren Konsumhungers dramatisch schwinden.

Die wichtigste Frage, die sich mir stellt: Werden wir unsere westlichen Gesellschaften langsam öffnen und echte Integration betreiben, um Menschen nach und nach aufzunehmen oder uns rein militärisch „verteidigen“ und den Tod unzähliger Menschen in Kauf nehmen. Die Toten im Mittelmeer machen im Moment wenig Hoffnung. Sie sollen alle Hoffenden abschrecken und sind eine Schande! Man kann keine Werte aufrechterhalten, indem man sie gleichzeitig aufgibt. Der Rechtsruck, den wir derzeit erleben, ist brandgefährlich. Dazu möchte ich mich demnächst nochmal explizit äußern.

Im ökologischen Landbau schien ich eine Möglichkeit gefunden zu haben, meinen Anteil zu einem Gesellschaftswandel beizutragen. Vor allem die Anzucht von Pflanzen aus nachbaufähigem Saatgut wurde mir besonders wichtig. Die Vielfalt an Gemüse und Obst musste um jeden Preis erhalten werden, die Pflanzen an ein sich schnell veränderndes Klima angepasst werden und nicht zuletzt das Monopol der großen Saatgutkonzerne verhindert werden, die nur auf Hybride (hier werden Inzestlinien im Labor gekreuzt, um besonders reich tragende Pflanzen zu erzeugen, die aber nicht nachbaufähig sind) setzen, um ihr Saatgut jedes Jahr neu verkaufen zu können, was zu Abhängigkeit und Einheitsbrei führt. Das wäre das faktische Ende für die Subsistenzwirtschaft, Kleinbauern und ökologische Gemeinschaften, die sich selbst versorgen wollen.

Gleichzeitig sehe ich viele Veränderungen und Bewegungen, an denen ich mich beteiligen möchte. Der Kampf gegen den Rechtsruck, der Einsatz für die Vielfalt von Natur und Kultur gleichermaßen, solidarische Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle, etwa Lebensgemeinschaften, Genossenschaften oder Mietsyndikate, die dem Wucher auf dem Wohnungsmarkt etwas entgegensetzen, der Umbau der Landwirtschaft, der Kampf gegen den Klimawandel, der Einsatz für Flüchtlinge. Es gibt unendlich viel zu tun, um die Welt lebenswert zu erhalten.
Ich verzweifle oft daran, weil ich meinen Platz verloren habe und noch keinen neuen sehen kann und oft zu töricht bin, um zu begreifen, das ich nur ein kleines Rädchen innerhalb dieser Veränderung sein kann. Dann spüre ich wieder ganz deutlich, dass ich viele Brüder und Schwestern auf diesem Weg habe. Doch ich muss mich selbst erst wieder öffnen und wieder vertrauen lernen. Nur dann habe ich die Chance zufrieden und wirklich frei zu werden und im Einklang mit mir und meinen Idealen zu leben. Eine innere Heimat zu finden, die mich unabhängiger von Krisen macht. 
Ich muss die lähmenden Grübeleien hinter mir lassen, einen neuen Anfang finden, wieder in Bewegung kommen, die unvermeidliche Vergänglichkeit akzeptieren. Ich werde nicht alle Wunden heilen können. Doch Narben sind unvermeidlich, wenn man liebt und vertraut, und ich will sie wieder mit Stolz tragen und neue Lebensfreude und Hoffnung finden. 

Nach wie vor suche ich nach Menschen mit Empathie, Herzlichkeit, Humor und Gelassenheit, in deren Mitte ich Heimat oder einen Ankerplatz finden kann. Ich habe mir viele Projekte im Netz angesehen, noch fehlt mir die Energie, mir ein eigenes Bild zu machen. Ich muss auch zugeben, dass mir das Scheitern in der letzten Gemeinschaft noch in den Knochen steckt. Ich will aber unbedingt wieder Gleichgesinnte finden.

Mein Drang nach Erfahrung ist unverändert stark. Ich will noch mehr von der Welt, mir selbst und den Motiven und Lebensrealitäten meiner Mitmenschen verstehen. Ich kann den Ruf der Straße hören. Noch immer habe ich Sehnsucht nach dem Himalaya, dem subtropischen Südindien, den Menschen und Landschaften in Nepal, nach der Insel Lombok und dem geliebten Homestay, den Ruinen von Angkor oder Luang Prabang und den viertausend Inseln in Laos. Auch Marokko und die Berber haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. Vielleicht muss ich noch einmal los, um mein Herz wieder mit neuem Leben, Neugier und Liebe zu füllen, um wieder innere Stärke zu finden.

Das sind sehr unterschiedliche Ziele, nach wie vor nur schwer unter einen Hut zu bringen. Ich mache mir nicht vor, eine Reise würde meine Probleme lösen, dann hätte ich nichts verstanden. Die Frage, wo ich hingehöre, bleibt davon weitgehend unangetastet. Ein radikaler Ortswechsel kann nur ein Anstoß sein, kann aber auch das Gefühl, verloren zu sein, massiv verstärken. Genauso schwierig ist es, eine passende Gemeinschaft zu finden. Gerade jetzt bräuchte ich vor allem einen Ort, um zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu entwickeln. Am wichtigsten ist aber, dass ich mich überhaupt wieder auf die Suche mache.

Unterwegs würden wir uns wieder treffen, wir, die Heilig-Verrückten, Sehnsüchtigen, Träumer, Romantiker, die innerlich Zerrissenen, die Freaks, die Suchenden. Das war mein Tribe. Nur wir gemeinsam würden uns selbst, einander und die Welt verwandeln und verändern können - oder mit ihr untergehen. 

Vielen Dank an Alle, die mit mir ein Stück gegangen sind, die mich nicht fallengelassen haben! 
Ich hoffe, ich kann bald wieder die Hand zu Euch ausstrecken. 

Konstruktive Kommentare, Ideen und Anregungen sind sehr willkommen.

Herzliche Grüße,

Oleander

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Buchveröffentlichung: "111 Gründe, Indien zu lieben"



"Indien ist so ungewöhnlich, dass es auf einem anderen Planeten liegen könnte. 
  Wer sich auf das Land einlässt, wird reich belohnt."


Inzwischen sind anderthalb Jahre vergangen, seit ich mein zweites Buch unter dem Titel "111 Gründe, Indien zu lieben" veröffentlicht habe. Da ich noch nicht dazu gekommen bin, es explizit auf meinem Blog vorzustellen, möchte ich das nun gerne nachholen.

Das Buch ist über einen Zeitraum von anderthalb Jahren entstanden und war mit enormem Rechercheaufwand verbunden. Ganz bewusst habe ich meine Reisereportagen, die ich über Indien verfasst habe und hier auf dem Blog veröffentlicht habe, ausgeklammert. Ich wollte das Buch von Anfang an eigenständig konzipieren. Da der Titel vom Verlag vorgegeben war, mussten 111 Kapitel entstehen und so entschloss ich mich 111 Kurzporträts zu entwerfen, um Indien in möglichst vielen Facetten darstellen zu können. 

Ich muss zugeben, dass ich mit dem Titel sehr gehadert habe, da ich solch plakativen Überschriften sonst bewusst vermeide. Anfangs stellte ich mir die Frage, ob ich Indien überhaupt liebe. Auf vielfältige Weise konnte ich das bejahen. Entscheidend wichtig war mir aber gleichzeitig, auch kritisch Stellung zu Indien beziehen zu können. Erst als der Verlag dafür grünes Licht gab, habe ich mich entschieden, das Angebot anzunehmen.
Diesen Zwiespalt habe ich auch ausführlich im (unten verlinkten) Vorwort erörtert.

Es war mir wichtig, ein möglichst akurates Bild des riesigen Landes zu schaffen, das sich nicht über die Probleme Indiens ausschweigt, sie aber auch nicht für Horrorgeschichten mißbraucht, wie ich es oft gelesen habe. Der Leser sollte sich ein eigenes Bild machen können, etwas über Indien und seine Kultur, Religionen und Philosophien erfahren und selbst entscheiden, was für ihn persönlich überwiegt. Denn wer nur Einseitiges über Indien erfährt, wird sich entweder vorschnell abwenden oder völlig geschockt sein, wenn sich das Land nach der eigenen Einkunft als viel komplizierter erweist, als das manche Berichte erscheinen lassen, die nur auf die positiven Seiten des Landes eingehen.

Eine Möglichkeit auch auf die Probleme des modernen Indiens einzugehen, war zum Beispiel die Vorstellung von historischen und lebenden Persönlichkeiten, die sich für einen Wandel in der indischen Gesellschaft einsetz(t)en. Exemplarisch dafür folgende Kapitel:

  • Weil Kushwant Singh den liberalen Geist Indiens verkörperte (unten verlinkt)
  • Weil Vandana Shiva für die Rechte der Bauern und gegen die Saatgutkonzerne kämpft
  • Weil sich Arundhati Roy für die Rechte von Minderheiten einsetzt
  • Weil Mahatma Gandhi den friedlichen Widerstand entfachte
  • Weil Kailash Satyarthi die Kinderarbeit bekämpft

Insgesamt habe ich die positiven Seiten Indiens in den Vordergrund gestellt, die Schattenseiten deutlich benannt und mich darum bemüht, alle Aspekte des Landes möglichst sachlich zu beschreiben und sie mit eigenen Erfahrungen und Haltungen gewürzt.


Abbildung aus einer Buchvorstellung im Magazin "Reiselust", Ausgabe 28/2018



Die Unterkapitel mit einigen Beispielen:

  • Land der Extreme: Geographie, Kulturen, Sprachen, Klima, Religionen
  • Rajasthan: Maharadschas, die Thar-Wüste, Paläste & Forts, Kamelmarkt
  • Indiens Seele und Kultur: Mahatma Gandhi, Buddha, Ashoka, Kamasutra, Monsun
  • Religiöses & Philosophisches: Puja, Karma, Yoga, Meditation, Feste, Sadhus, Varanasi
  • Der indische Alltag: Handeln, Gewürze, Straßenverkehr, Rikschas. Saris, Bollywood
  • Götter und Mythen: Brahma, Vishnu, Shiva, Ganesha, Hanuman, Mahadevi
  • Himalaya: Kaschmir, Ladakh. Dharamsala, Zanskar, Spiti, Turtuk, Pangong
  • Kulinarisches: Masala Chai, Thali, exotische DFFrüchte, Lassi, Tandoori, Curry, Chili
  • Persönlichkeiten: Mutter Theresa, Rabindranath Tagore, Salman Rushdie, Krishnamurti, Akbar
  • Der Süden: Bombay, Goa, Hampi, Kerala. Ayurveda, Madurai, Auroville, Andamanen
  • Kurisoes & Kurzweiliges: "Truck-Art", Bärte, Sinnsprüche am Straßenrand


Kurzbeschreibung:


Indien – der Name allein weckt reiche Bilder von unzähligen Göttern, Rikschas, heiligen Kühen, chaotischen Städten, biegsamen Asketen, krasser Armut, Maharadschas und Persönlichkeiten wie Mutter Theresa oder Mahatma Gandhi. Indien ist ein eigener Kontinent voller Kontraste. Nirgendwo sonst auf der Welt kann der Reisende so unterschiedliche Religionen, Kulturen, Völker, Sprachen, Philosophien, Architekturstile und Regionalküchen bestaunen. Besonders diese immense Vielfalt macht Indien einzigartig und liebenswert.

Die Landschaft reicht von endlosen Küsten mit Palmenstränden über die bevölkerungsreichen, hektischen Tiefebenen bis hin zu einsamen Wüstengebieten und Hochgebirgen. Die unverfälschte Offenheit und Gastfreundschaft der Inder macht es leicht, Kontakte zu knüpfen und etwas über das Land, seine Geschichte und den Alltag der Menschen zu erfahren. Wer einmal Indien besucht hat, den lässt es nicht wieder los.



Auszug aus dem Vorwort:


Lange habe ich mit Indien gefremdelt, es war keine Liebe auf den ersten Blick. Indien hat mich zum Verzweifeln gebracht, im nächsten Moment besänftigt, und wenig später wähnte ich mich wieder im schönsten und ungewöhnlichsten Land der Welt. Jedes Mal brauche ich meine Zeit, um mich wieder an den ohrenbetäubenden Lärm der Städte und Straßen und die Intensität des indischen Alltags zu gewöhnen. Dann beginnt mein Kopf wie von selbst auf die indische Art zu »wackeln«.

Indien ist eine ständige Herausforderung. »Mother India« gibt seine Schätze nicht auf den ersten Blick preis. Der Reisende muss erst lernen, sich in einer völlig anders funktionierenden Welt zurechtzufinden, das Chaos zu umarmen, seine Geduld auszudehnen und Skurrilem mit Humor zu begegnen.

Erst dem Neugierigen, der sich Indien ausliefert und versucht, es zu durchdringen, eröffnet sich zwischen Annäherung und Befremden ein zweiter Blick und eine instinktive, manchmal absurde Liebe für das kontrastreiche Land.“



Bestellbar ist mein Buch über den Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag und Amazon.

Auch über den lokalen Buchhandel kann es einfach bezogen werden!



Weiterführende Links:



Das Vorwort habe ich auf den Reisedepeschen veröffentlicht:
"Eine Liebe zwischen Annäherung, Faszination und Befremden"