Mittwoch, 8. April 2020

Videolesung: "Wahnsinn unter dem Vollmond"






Heute möchte ich Euch mit einer neuen Videolesung beglücken. Ich lese für Euch die Reiseerzählung
"Wahnsinn unter dem Vollmond". Wieder ist es ein Stück Gonzo-Journalismus.


Ein grenzwertiger Trip führte Chris und mich zu den teutonischen Aussteigern von Ko Samui und spülte uns schließlich an den Strand von Haad Rin auf Koh Phangan, wo wir dem wahnwitzigen Taumel unter dem trunkenen Vollmond beiwohnten.





Mehr Gonzo-Journalismus gefällig?

Die Videolesung zur Geschichte "Lost in Transit" über eine verhängnisvolle Nacht in Bangkok:

"Lost in Transit"


Wer die beiden Geschichten (in älteren Versionen) lieber nachlesen will, kann das auf den "Reisedepeschen" tun. Dort gibt es auch einige Photographien zu den Erzählungen:


Reisedepesche: Lost in Transit(ion)

Reisedepesche: Wahnsinn unter dem Vollmond

Sonntag, 5. April 2020

Videolesung: Das Vorwort zu "111 Gründe, Indien zu lieben"




Heute möchte ich Euch das Vorwort zu meinem Sachbuch über Indien als Videolesung präsentieren.

Wie Ihr sicher sehen könnt, bin ich auch in diesem Format reichlich nervös. Der Abgang spricht Bände! Allerdings soll es bei "One-Take"-Videos bleiben. Da kommt bestimmt noch was.

Alle weiteren Informationen gibt es unterhalb des Videos. Doch nun viel Freude mit dem Vorwort:




Euch allen einen angenehmen Sonntag! Bleibt gesund oder werdet es bald wieder!



Alle weiteren Informationen zu meinem Buch habe ich hier gesammelt:

Buchveröffentlichung: "111 Gründe, Indien zu lieben"


Hier noch der Link direkt zum Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Der Verlag hat seinen eigenen Vertrieb aufgebaut und kann daher täglich ausliefern. Ab 20 Euro versandkostenfrei:

Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag: "111 Gründe, Indien zu lieben"



Sonntag, 29. März 2020

Videolesung: Lost in Transit



Heute möchte ich Euch mit der Lesung einer kleinen Geschichte erfreuen: "Lost in Transit".
Die Geschichte ist im ersten Band der Buchreihe "The Travel Episodes" erschienen, wurde im Piper/Malik-Verlag in der Reihe "National Geographic" verlegt und herausgegeben von dem einzigartigen Johannes Klaus.
Bitte unterstützt seinen famosen "Reisedepeschen Verlag" in dieser schwierigen Zeit!


Ich habe viele tiefgreifende Geschichten geschrieben, doch ich wollte heute mit einem heiter-abgründigen Stück beginnen. Es handelt sich um puren "Gonzo-Journalismus".

Geprägt wurde der Begriff von dem Herausgeber des "Boston Globe" Bill Cardoso, um den 1970 erschienen Text "The Kentucky Derby is Decadent and Depraved" des legendären Hunter S. Thompson zu beschreiben.
Hunter hatte es nicht bis zum Redaktionsschluss geschafft, seinen Artikel fertig zu schreiben. So schickte er seine unbearbeiteten Notizen, die sich nicht um das Pferderennen drehten, für das er ausgesandt war, sondern von seinen ausschweifenden Eskapaden währenddessen.

In nächster Zeit möchte ich gerne Hunter S. Thompson an dieser Stelle ausführlich vorstellen.

Lange galt unter Journalisten das Credo, der Autor dürfe in seiner Geschichte nicht selbst auftauchen, um seine Objektivität nicht zu gefährden. Das war natürlich immer ein wenig verlogen, denn jeder Journalist bringt seine eigene Haltung mit und schreibt aus einer bestimmten Perspektive.
In den 1960er/70er-Jahren wurde diese Überzeugung durch den "New Journalism" aufgebrochen.
"Objektivität" war nicht mehr das alleinige Kriterium, junge Journalsiten begannen aus ihrer Warte zu berichten und das auch transparent darzustellen. Auch die "Beat"-Literatur hat einen entscheidenden Schub für diese Entwicklung zum "Ich"-Erzähler" beigetragen.
Tatsächlich handelt es sich um eine Vermischung von Literatur und Journalismus.

Beim Gonzo-Journalismus wurde das noch auf die Spitze getrieben. Hunter S. Thompson schrieb völlig subjektiv, sehr emotional und übertrieb absichtlich. Fiktion und Realität verschwimmen. Viele Geschichten entstanden erst dadurch, dass Hunter mit seinem gepflegten Wahnsinn die Szenerie erst erschuf, über die er dann berichtete. Dabei war er extrem sarkastisch und polemisch, er benutzte Humor und Schimpfwörter sowie zahlreiche Zitate. Hunter entwickelte seinen völlig eigenen Stil.


Doch nun kommen wir zum eigentlichen Sonntagabend-Plaisir:




Kürzlich habe ich eine neue Reihe gestartet, in der ich Künstler vorstelle. Drei Blogs sind bereits erschienen, in den nächsten Wochen werden noch einige folgen:


Joint Venture

Das Liedermacher-Duo "Joint Venture" wurde durch den viel zu frühen Tod von "Kleinti" leider gesprengt. Sie standen für politische, abgründige, melancholische und heitere Balladen.
In den 90er Jahren haben Sie die Tür für eine neue Generation von Liedermachern aufgestoßen.
Götz Widmann ist bis heute solo auf ausgedehnten Touren mit seiner Musik unterwegs und trägt das Erbe von Joint Venture weiter. Das Duo wird auf ewig in meinem Herzen sein.


Lemur

"Seine Texte sind gesellschaftskritisch, hinterfragen den aktuellen Zeitgeist, oft sind sie dystopisch und/oder sarkastisch. Lemur beschäftigt sich mit den Abgründen der Menschheit. Er ist ein sehr politischer Künstler, egal ob er Rechtsruck, Verschwörungstheorien oder Gentrifizierung thematisiert. Man hört, wie sehr er sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigt. Trotzdem hat seine Musik in vielen Tracks eine angenehme Leichtigkeit, seine Kritik ist gewürzt und gebrochen durch ironische Einflechtungen, die das Ganze gut hörbar und besser verdaubar machen."


Käptn Peng

"Seine Texte sind kreativ, nachdenklich, verschachtelt , philosophisch. In einem Moment sind sie bedeutungsschwanger und dann scheinen sie (auf den ersten Blick) sinnfrei. Und beides passt zusammen. Verbunden durch eine lässige (Selbst)-Ironie. Dazu kommt ein beachtlicher Flow, mit dem er seine komplexen Texte zum Leben bringt."


Zur aktuellen Corona-Krise habe ich einige Gedanken aufgeschrieben und vielfältige Links gesammelt, die ich regelmäßig aktualisiere. Sie sollen der Information dienen und Perspektiven aufzeigen:

Gedanken zur Corona-Krise


Euch allen einen angenehmen Sonntag! Bleibt gesund oder werdet es bald wieder!


Freitag, 27. März 2020

Künstlervorstellung: Joint Venture


Heute komme ich zu dem Liedermacher-Duo "Joint Venture", das leider nicht mehr existiert.
Martin Simon alias Kleinti ist bereits im Jahr 2000 viel zu früh verstorben.
Götz Widmann tourt nach einer Schaffenspause seither solo durch die Lande.
 


Gegründet wurde Joint Venture 1993. Zwischen 1995 und 1999 erschienen die Veröffentlichungen "Dinger", "Augen zu", "Unanständige Lieder" (Live), "Ich brauch´ Personal" und "Extremliedermaching".
2002 folgte ein "Best of" unter dem Titel "Kleinti", im Gedenken an Martin Simon.
Die Akustikgitarre begleitet ihre Musik, Kleinti untermalte einige Songs auch mit der Mundharmonika. 

Götz Widmann hat seitdem viel Neues veröffentlicht. Nennen möchte ich hier das Album "Drogen" von 2003, auf dem auch viele Songs aus der Zeit von Joint Venture neu eingesungen und vertont sind. Ganz neu ist das Album "Tohuwabohu", das in diesem Jahr erschienen ist.

Sowohl Joint Venture als auch Götz Widmann haben eine größere Fangemeinde, dennoch bin ich immer wieder erstaunt, wieviele Menschen noch nie von Joint Venture gehört haben.
Mit den Liedermachern hatte ich lange nicht viel am Hut. Klar kannte ich ein paar Sachen von Reinhard May oder Herbert Grönemeyer, die mir gefallen haben. Ansonsten war das für mich unbekanntes Terrain. Viele Jahre habe ich fast ausschließlich deutschen Rap gehört. Das änderte sich, als ich Joint Venture kennenlernte und gerade in der letzten Zeit habe ich wieder viele Gruppen entdeckt, die ich auch noch vorstellen möchte.

Letzten Herbst habe ich in Bonn vor etwa 30 Leuten gelesen und zwei Songs von Joint Venture ("Ich liebe mich" und "Ne Frau, die sich mich leisten kann") gesungen. Eine echte Premiere für mich. Tatsächlich habe ich über das Singen der Texte zu Joint Venture gefunden. 2003 war ich mit dem Behindertenwohnheim, in dem ich gearbeitet habe, auf einer Freizeit. Ein Kollege hatte seine Gitarre und Songtexte von Joint Venture dabei, die wir dann zusammen zum Besten gegeben habe. Und schon war ich angefixt und habe seitdem in passenden und unpassenden (!) Momenten Lieder von Joint Venture gesungen.

Joint Venture wurden für ihre nachdenklichen, politischen und auch heiteren Texte bekannt. Alkohol und Cannabisgebrauch und -Mißbrauch werden häufig und ausschweifend thematisiert.
Außerdem haben sie wunderschöne Balladen über die Liebe und den Exzess geschrieben.

Ihre Musik ist sehr melancholisch, ein Gefühl das ich sehr mag. Für mich ist Melancholie kein (ausschließlich) negatives Gefühl. Ich liebe den süßen Schmerz. Allerdings passt das nicht in jede Lebensphase. Wenn man zuviel Schwermütiges hört, kann man tatsächlich in Depressionen verfallen. Die Dosis macht das Gift.

Es wäre jedoch ein großer Fehler, Joint Venture auf die Melancholie allein zu reduzieren, sie haben herrlich schräge Nummern produziert, voll von anarchischem und oft auch zynischem Humor.


Hier möchte ich einige meiner Lieblingslieder vorstellen. Ich beginne mit dem Song "Süffelmann". Faszinierend, wieviel Gefühl und Schmerz Kleinti in diesen Song gelegt hat:


Süffelmann




Ein Text zum Thema Selbstliebe:

Ich liebe mich




Eine geniale Persiflage zur Frau, die sich einen reichen Mann angelt:

Ne Frau, die sich mich leisten kann




Esel

Über den Unterschied beim Cannabisgebrauch zwischen "weisen Marokkanern" und dem Durchschnittseuropäer. In der Live-Version göttlich:





Darauf muss man erst einmal kommen:

Zöllner vom Vollzug abhalten auf der A4




Für mich immer untrennbar mit Freitagen verbunden:

"Freitags bleib ich gern zuhaus,
denn Freitags geht der Pöbel aus
Freitag Haufensaufenzeit
Rohrverleggelegenheit"

Freitag




Herzschmerz pur:

Wir werden es bereuen, wenn die Jahre dann vergehen




Geniale Idee, großartig umgesetzt:

Das Leben sollte mit dem Tod beginnen




Eine wunderschöne Ballade von Götz Widmann über die Liebe:

Die zwei Trauben




Einer der lustigsten Texte überhaupt:

Sitzend pinkeln




Eine extrem melancholische Nummer:

Spiegelbild



Weitere Songs, die ich empfehle:

Deine Frau, Übermorgen, Die zarte Artischocke (Live), Einsamkeit, Ich brauch Personal, Wie ich eine Frau war


Zusätzliche Informationen finden sich auf der Website des Ahuga-Labels oder auf der Homepage von Götz Widmann.

Ruhe in Frieden Kleinti!

Donnerstag, 26. März 2020

Künstlervorstellung: Lemur


Wie der bereits zuletzt vorgestellte Käptn Peng, ist Lemur im Hause Kreismusik beheimatet.
Auch hier haben wir es mit einem ungewöhnlichen Vertreter des deutschsprachigem Rap zu tun.


Lemur war bereits zuvor unter einem anderen Pseudonym bekannt, als Teil des Duos "Herr von Grau".
Er hatte sich bereits eine größere Popularität innerhalb der Szene erarbeitet und dann den mutigen Schritt gewagt, alleine unter neuem Namen weiterzumachen.

Die Wandlung hat sich längst ausgezahlt. Denn es handelt sich um einen begnadeten Künstler.
Das hat er in den letzten Jahren mit den Veröffentlichungen "Geräusche", "Die Rache der Tiere" und
"Die Herrschaft der Kakerlaken" eindrucksvoll unterstrichen. Dazu kam die ebenfalls herausragende EP "Provisorium", die er gemeinsam mit Marten McFly aufgenommen hat.

Seine Texte sind gesellschaftskritisch, hinterfragen den aktuellen Zeitgeist, oft sind sie dystopisch und/oder sarkastisch. Lemur beschäftigt sich ausgiebig mit den Abgründen der Menschheit. Er ist ein sehr politischer Künstler, egal ob er Rechtsruck, Verschwörungstheorien oder Gentrifizierung thematisiert. Man hört, wie sehr er sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigt. Trotzdem hat seine Musik in vielen Tracks eine angenehme Leichtigkeit, seine Kritik ist gewürzt und gebrochen durch ironische Einflechtungen, die das Ganze gut hörbar und besser verdaubar machen. Die Musik, die er selbst produziert, ist dabei sehr experimentierfreudig. Ansonsten setzt er auf gute Beatproduzenten, etwa majusbeats. Auch die Videos, die in den letzten Jahren entstanden sind, suchen im Rap in Sachen Kreativität ihresgleichen.

Auch hier beginne ich mit dem ersten Video, über das ich Lemur kennen- und schätzengelernt habe:


Lächeln





Genial ist das folgende Stück, das brilliant die Gentrifizierung beschreibt. Das Video wurde über den Dächern Berlins gedreht und Lemur zeigt, wie sich mit einfachen Requisiten eine geniale Choreographie inszenieren lässt. Sehr sehens- und hörenswert!


Spähne




Das vielleicht eindrücklichste Video, das ich bisher gesehen habe, folgt. Unbedingt anschauen:


Wände





Aus der Kollabo-EP mit Marten Mc Fly das Titelstück Provisorium:


Provisorium





Katastrophen schildert schwere Krisen als Chance für einen Neubeginn:


Katastrophen





Ein Splitvideo mit zwei sehr eindrücklichen Tracks:


MVV / Ballast




Das folgende Stück thematisiert das Thema Depression in Zeiten der Selbstoptimierung:


Funktionieren




Großartig ist auch die folgende Zusammenarbeit mit Pavlidis (Leadsänger der Ohrbooten) und Käptn Peng:

Identitetris



Damit schließt sich der Kreis zur gestrigen Vorstellung von Käptn Peng.


Auch hier gibt es alle weiteren Informationen und Möglichkeiten zum Download bei Kreismusik.

Möge die Herrschaft des Feuchtnasenaffen beginnen!

Mittwoch, 25. März 2020

Künstlervorstellung: Käptn Peng

Heute starte ich eine Serie, in der ich in nächster Zeit Künstler, Autoren und Musiker vorstellen werde.

Ein musikalischer Schwerpunkt wird dabei unter Anderem bei deutschsprachigem Rap liegen.
Wer jetzt wild um sich herumballernde "Original Gangster" im Codein-Rausch vor sich sieht, die Frauen zu "Bitches" erklären und peinliche Selbstbeweihräucherung mit ihrem "Bling-Bling"-Schmuck betreiben, kann sich wieder entspannen. Solche Oberflächlichkeiten haben mich nie interessiert und leider viele vom Rap abgeschreckt. Sicher gibt es auch guten "Street Rap", aber der ist rar.

Um das Ganze gleich nochmal zu unterstreichen, beginne ich mit dem ungewöhnlichsten Vertreter des deutschen Sprechgesangs, den man sich nur vorstellen kann: Käptn Peng.



Vielleicht ist er Manchen als Schauspieler unter seinem bürgerlichen Namen Robert Gwisdek bekannt.
Gerade habe ich mir sein Buch "Der unsichtbare Apfel" bestellt und bin schon sehr gespannt auf die Lektüre. Bestimmt komme ich hier noch einmal darauf zurück.

Seit vielen Jahren begleitet mich Käptn Pengs Musik. Seine Texte zeugen von einem genialen Vollblutkünstler zwischen Genie und Wahnsinn. Das klingt dann beispielsweise so:


"Ich bin nicht verrückt geworden, ich hab mich selbst verrückt
Die Messer weggeworfen und mich selbst gezückt
In Stücke geschnitten und wieder zusammengeflickt
Als Kamel verkleidet und durchs Nadelöhr geschickt"


Seine Texte sind kreativ, nachdenklich, verschachtelt ("Kreuzworträtselrap"), philosophisch und treffen auf den Punkt. In einem Moment sind sie bedeutungsschwanger und dann scheinen sie (auf den ersten Blick) sinnfrei. Und beides passt zusammen. Verbunden durch eine lässige (Selbst)-Ironie. Dazu kommt ein beachtlicher Flow, mit dem er seine komplexen Texte zum Leben bringt. Die Bandbreite ist enorm, von Tierfabeln über existentialistische Sinnsuche zu heiter-absurden Ideen.
Er glänzt mit einem riesigen Wortschatz und tiefen sowie klugen Ausflügen in die Tiefen der eigenen Psyche. Seine Videos untermalen seine Kunst dazu sehr stimmig. Ich möchte gar nicht viele weitere Worte verlieren, sondern direkt zu seiner unnachahmlichen Kunst kommen. 

Das Snippet zu seinem Album "Die Zähmung der Hydra" war das Erste, was ich von ihm gesehen habe und mich unmittelbar zu einem Fan werden ließ:




Weitere Lieblingssongs aus "Zähmung der Hydra":


Sie mögen sich



Parantatam



Werbistich



Oha


Kündigung 2.0



Genaugenommern könnte ich alle Lieder dieses großartigen Albums einbinden, daher hier lieber noch der Hinweis auf weitere Anspielstationen: Sein Name sei Peng, Kampf mit der Hydra, Flotten von Mutanten,
Von Form zu Form, Der Stein des Wahnsinns und Alles ist Käptn.

Ich denke die Botschaft ist angekommen: Für mich ist dieses Album, das er mit dem Beatproduzenten Shaban (Halbbruder Johannes Gwisdek) aufgenommen hat, eine absolute Empfehlung!
Mich wird diese Platte für immer begleiten.


Dann möchte ich noch einen kleinen Einblick in Songs von den nachfolgenden Alben bieten.

Mit seiner Band, "Die Tentakel von Delphi" hat er zunächst die "Expedition ins O" aufgenommen.
Daraus möchte ich zwei Songs besonders hervorheben:


Der Anfang ist nah 



Noch philosophischer wird es im Song Sokosophie




Das neuste Album ist nun knapp drei Jahre alt und heißt "Das nullte Kapitel", ebenfalls mit den Tentakeln von Delphi aufgenommen und genauso faszinierend wie die beiden Vorgänger.

Auch hier zwei Vertreter, die für mich besonders herausstechen:


Tango im Treibsand



MC HomoSapiensSapiens



Als weitere Anspielstation empfehle ich den Track Meister und Idiot.

Ich freue mich schon riesig auf die nächsten Veröffentlichungen! 

Wer mehr hören und sehen will, dem empfehle ich den Besuch der Website seines Labels Kreismusik. Ebenfalls aus diesem Kollektiv habe ich auch den Rapper Lemur vorgestellt.

Im Webshop Kreiskonsum lassen sich Platten bestellen und Downloads ziehen.

Lang lebe der Käptn!

Dienstag, 24. März 2020

Gedanken zur Corona-Krise



Vorab: Natürlich bin ich kein Experte und dies sind nur erste Einschätzungen. Vieles ist noch unklar über den Virus selbst, welche globale Folgen entstehen werden und wie lange die aktuellen Einschränkungen aufrecht erhalten werden müssen. Ich halte mich bewusst kurz und weise besonders auf die Links am Ende hin.


Bis vor einigen Wochen schien der Corona-Virus eine abstrakte und weit entfernte Gefahr zu sein. Das hat sich in kürzester Zeit geändert. Bis letzten Freitag war ich selbst noch im Krankenhaus und habe erlebt, wie sich Regeln im Stundentakt verändert haben. Von Therapieeinschränkungen, Beschränkungen bei Physiotherapie- und Gruppenangeboten bis zum Ausfall von Therapien. Ausgangsbeschränkungen wurden empfohlen, gemeinsames Essen wurde untersagt, die Pfleger waren von Tag zu Tag mehr vermummt und die Anspannung wuchs rasant.

Im Haus gab es auch Intensivpatienten, die sich in ihrem geschwächten Zustand in umittelbarer Gefahr befanden, genau wie die Ärzte und Pfleger, die dazu angehalten sind, auch dann weiterzuarbeiten, wenn sie sich selbst infiziert haben. Sicher haben wir global gesehen ein gutes Gesundheitssystem. Dennoch rächt sich jetzt, dass man den Pflegeberuf nicht attraktiver gemacht hat, in dem man Bezahlung und Besetzung von Pflegekräften und Ärzten nicht erhöht hat. Sonst wäre ich vielleicht noch immer Pfleger. Hygienebedingungen waren lange unnötig schlecht, was in solch einer Krises schlicht gefährlich ist. Ärzte schieben weiterhin 24 Stunden-Schichten. Zehntausende Pfleger fehlen. Wäre es nach der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung gegangen, wären gar die Hälfte aller Kliniken geschlossen worden.
In der jetztigen Situation fehlen außerdem Atemmasken und Schutzkleidung in erheblichem Umfang. Man hätte das Gesundheitssystem niemals dem Markt überlassen dürfen. Es fehlen die Kapazitäten, um mit solchen Krisen fertig zu werden, die müssen jetzt aus dem Boden gestampft werden.
Die Pfleger und Ärzte sind die (unfreiwilligen) Helden dieser Krise und ich hoffe, dass sie in Zukunft die verdiente Anerkennung erhalten. In dieser Krise zeigt sich, wer wirklich "systemrelevant" ist. Ich hoffe, das wird eine Erkenntnis sein, die nachhaltig wirkt und nicht schnell wieder vergessen wird!

Wir befinden uns in einer bedrohlichen Situation. Und während ich das sage, bin ich selbst davon bislang wenig betroffen. Sicher, ich hatte Pläne, die ich jetzt verschieben muss, Reisen wird mittelfristig nicht möglich sein und ich hatte mich auf eine neue Stadt und eine neue Wohnung gefreut, einen echten Neuanfang nach schwerer Krise, darauf, Freunde zu besuchen. Aber das sind Luxusprobleme! Im Moment geht es mir und meiner Familie gut.

Ganz anders sieht das für die Flüchtlinge aus, die in Moria auf Lesbos und in anderen Lagern oder zwischen Griechenland und der Türkei festsitzen. Oder die Menschen, die schon viel zu lange unter dem schrecklichen Krieg in Syrien leiden. Und Alle, die in Slums in Asien, Afrika oder Lateinamerika leben müssen und die kaum Zugang zum Gesundheitssystem haben. Für sie ist diese Krise eine lebensbedrohliche Katastrophe. Wem es schon zuvor schlecht ging, wird leider am meisten an dieser Krise leiden. Ich hoffe darauf, dass die Menschen in Moria bald evakuiert werden.

Auch die Lage in Italien ist dramatisch, Europa hat insgesamt viel zu träge auf die Bedrohung reagiert, aus den U.S.A. hört man von einer noch drastischeren Zunahme der Erkrankungen.
Für Andere hierzulande ist die Lage existenzbedrohend, besonders für Alle, die aktut erkrankt sind, darüberhinaus für alle Selbständigen, Künstler und Alle die vom Verlust ihrer Arbeit oder gar Wohnung bedroht sind! All diesen Menschen sende ich meine besten Wünsche!


Vielleicht wird diese Krise langfristig auch "gute" Seiten haben. Leider lernt der Mensch oft nur so.
Und darin setzte ich meine Hoffnung: Die Erkenntnis, dass wir uns für solche Krisen rüsten müssen, wir lernen uns sowohl global als auch lokal zu koordinieren und Netzwerke auf- bzw. auszubauen.

Es wird nun mehr denn je sichtbar werden, was wirklich wichtig zum Leben ist, wie entscheidend die sozialen Kontakte sind, wie wertvoll es ist, sich solidarisch zu organisieren, sich unabhängiger von globalen Lieferketten zu machen. Etwa, indem Gemüse wieder lokal produziert wird, die Bedeutung von Geschäften in der unmittelbaren Umgebung neu erkannt wird oder Medikamente und viele andere Produkte wieder vor Ort produziert werden. Jetzt sehen wir deutlich die Schattenseiten der wirtschaftlichen (Hyper-)Globalisierung besonders deutlich, was auch die Verbreitung des Virus enorm begünstigt hat. Insgesamt hoffe ich darauf, dass das reine Profitdenken Risse bekommt.
Dies ist kein Aufruf, sich ins Nationale zurückzuziehen, vielmehr ist es notwendig, Produktionszweige zurückzuholen und sich gleichzeitig global besser zu verständigen, auch um solche Krisen besser koordinieren zu können. Wir hängen international untrennbar voneinander ab.

Wir standen schon vor der Krise an einem Scheideweg. Vielleicht führt die Krise dazu, den radikalen Umbau unserer Gesellschaft hin zu erneuerbaren Energien und neuen Genossenschaftsmodellen zu beschleunigen und der schon lange nötige Bewusstseinswandel erhält Rückenwind.
Im Moment erlebt die Natur eine Ruhepause, die vor kurzem noch unmöglich schien. Sicher wird vieles nach der Krise wieder anlaufen, aber ich hoffe, dass wir aus der Zeit, die vor uns liegt, Erkenntnisse für die Zukunft ziehen, und wir diese endlich umsetzen.

Gleichzeitig liegen in der aktuellen Situation auch Gefahren gesellschaftlicher Natur. Viele esentielle Bürgerrechte sind im Moment ausgesetzt und es wird wichtig sein, sie so schnell wie möglich wieder zurückzugewinnen. Gerade bejubeln viele die (notwendigen) Einschränkungen allzu unkritisch.
Für den Moment macht es jedoch definitv Sinn, das öffentliche Leben zurückzufahren.


Wir werden uns wohl auf einen längeren Ausnahmezustand einstellen müssen. Bisherige Prognosen rechnen erst in über einem Jahr mit einem Impfstoff. Natürlich hoffe ich, dass es schneller geht, aber insgeheim rechne ich vor dem Herbst kaum mit einer Normalisierung der Zustände. Möglicherweise wird 2020 mit vielen Einschränkungen zu Ende gehen. Aber ich bin kein Virologe. Und auch die wissen noch zu wenig.

Es gibt verschiedene Möglichkeit, der Krise Herr zu werden. Einmal, die Infizierten zu isolieren. China ist hier dramatisch vorgegangen, ein Vorgehen, dass sich nicht von einer Diktatur auf eine Demokratie übertragen lässt. In China wurden Millionenstädte wie Wuhan rigoros abgeriegelt, das öffentliche Leben kam faktisch zum Erliegen. Mithilfe von vollständiger Überwachung und anhand von Bewegungsprofilen, konnten die Behörden lückenlos feststellen, wer mit den Infizierten Kontakt hatte, um diese ebenfallszu isolieren.
Dieses Vorgehen war hier nicht denkbar, doch unsere europäischen Regierungen hätten viel früher und koordiniert handeln müssen. Viele Fehler wurden gemacht und Zeit verspielt.
Nun ist es nur noch begrenzt möglich, besonders betroffene Regionen zeitlich begrenzt abzuriegeln, der Virus hat sich bereits zu weit verbreitet. Jetzt muss erst einmal alles getan werden, um eine Ausbreitung zu minimieren bzw. erheblich zu verlangsamen, um keine Katastrophe zu erleben. Sollte das Gelingen, kämen wir wieder an einen Punkt, an dem lokale Isolation wieder möglich wird.

Sollte das Herstellen eines Impfstoffs so lange wie erwartet dauern und es nicht gelingen, die Ausbreitung einzudämmen, "müssen" sich 60-70 % der Bevölkerung mit dem Erreger anstecken und immun werden, um eine Weiterverbreitung des Virus zu stoppen. Noch ist nicht ganz klar, ob es eine vollständige Immunität sein wird oder nur ein milder Verlauf bei einer Neuansteckung. Völlig unklar ist auch, in wieweit der Erreger weiter mutieren wird.
Dieser Prozess ist nur schwer zu steuern und wäre extrem schmerzhaft. Vor allem, weil wir fast unmöglich wäre, die Haupt-Risikogruppen der Älteren und der Menschen mit Vorerkrankungen zu schützen. 


Sicher ist eins: Eine unkontrollierte Ansteckung muss jetzt unbedingt vermieden bzw. eingedämmt werden, daher macht es Sinn, das Leben auf das Notwendige zu beschränken und den direkten Kontakt zu meiden. Sonst würden wir Hundertausende Tote in Kauf nehmen und das Gesundheitssystem zum Kollabieren bringen. 


Auch die Forscher brauchen Zeit, um das Virus besser zu erforschen und die Krankenhäuser brauchen jeden Tag um den rasanten Umbau hin zu mehr Intensivbetten stemmen zu können.


Allen da draußen wünsche ich Gesundheit, Geduld und, wenn möglich, Gelassenheit.
Meine Gedanken sind bei den Ärzten und Pflegern und denen, die von der Krise unmittelbar betroffen sind und um ihre Existenz oder das Leben ihrer Angehörigen bangen!




Einige Artikel  und Beiträge, die ich für besonders lesenswert halte:



Sehr gute Informationsquelle, die auf das Vorgehen in China eingeht, mögliche Szenarien vorstellt und durchspielt. Hier im englischen Original. Am Ende des Kapitels ist eine deutsche Übersetzung verlinkt.




"Wir müssen jetzt die Fälle senken. Sonst schaffen wir es nicht" .




Ausführliche Analyse. Ähnlich lesenswert wie der Artikel "The Hammer and the Dance".




"Kitas, Schulen, Geschäfte sind geschlossen, soziale Kontakte auf ein Minimum eingeschränkt. Viele sind gerade arbeits- oder auftragslos, Andere arbeiten sich gerade kaputt, um das Land am Laufen zu halten. Wie lange müssen wir diesen Ausnahmezustand aushalten und wie können wir schnellstmöglich zur Normalität zurück kommen? So viel vorweg: Es wird länger dauern, als die meisten denken."




"The U.S. may end up with the worst COVID-19 outbreak in the industrialized world. This is how it’s going to play out."

Unbedingt lesenswert. Wahrscheinlich der bisher beste Artikel zum Thema!




 



"Die Corona-Pandemie ist eine weltweite Tragödie – auch für den globalen Kapitalismus. Wenn das Schlimmste vorbei ist, werden wir die Systemfrage stellen müssen, glaubt der Psychoanalytiker und Star-Philosoph Slavoj Žižek." - Unbedingt ansehen! Slavoj Žižek trifft auf seine unnahmliche Art den Nagel auf den Kopf!




"Nichts wird so sein, wie zuvor": Der Zukunftsforscher bietet Denkanstöße für die Zeit nach der Krise.




Ein sehr lesenswerter Text über das Leben in Mailand mit Perspektiven.







Spricht für sich!




Viele gute Denkanstöße, die auch intensiv die Frage aufgreift, wie unterschiedlich wir in unseren sozialen Realitäten betroffen sind.




"Bis das Coronavirus das griechische Lager Moria erreicht, ist nur eine Frage der Zeit. Es trifft dort auf 20.000 Menschen, Gewalt – und besten Nährboden."




"Räumliche Distanz ist in der Coronakrise das Gebot. In Sammelunterkünften für Geflüchtete ist sie unmöglich. Einige Heime stehen unter Quarantäne."




Wer die Dramatik der Situation nicht begreifen kann, sollte das lesen.













"Die Exekutive hat derzeit extreme Macht, das darf nicht von Dauer sein".





"Ein Buch kaufen, auf einer Parkbank sitzen, sich mit Freunden treffen - das ist jetzt verboten, wird kontrolliert und denunziert. Die demokratischen Sicherungen scheinen durchgebrannt. Wo und wie soll das enden?"













Gastbeitrag von Johannes Vogel. Er ist Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin - Leibniz Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung und Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin.




"‘Ordinary’ people around the world have shown extraordinary innovation in forging practical, socially and ecologically sensitive solutions to everyday needs. Now it's up to the rest of us to build on that.




"Welche Jobs Bullshit sind und welche systemrelevant: Das dürfen wir nach der Corona-Krise nicht vergessen, fordert der Kapitalismuskritiker und Anthropologe David Graeber."



New Statesman: Why this crisis is a turning point in history 

"The era of peak globalisation is over. For those of us not on the front line, clearing the mind and thinking how to live in an altered world is the task at hand."




Die Gefahr geht keineswegs nur von asiatischen Wildtiermärkten aus, sondern auch von europäischen Essgewohnheiten.




"Wie gefährlich das Coronavirus ist, wissen Experten noch immer nicht genau. Hier erklärt der Statistikexperte Gerd Antes, was nun für eine Risikobewertung nötig ist und warum die Reaktion der Politik bislang richtig war."








"Ausgerechnet ein Tier, das wir fast ausgerottet haben, könnte der Überbringer der Corona-Seuche sein. Das ist grausame Ironie - und ein Lehrstück über Ursache und Wirkung."







Unnötig reißerischer Titel, ansonsten sehr lesenswert:
"Schon am sechsten Tag der landesweiten Ausgangssperre lässt sich sagen: Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Die Regierung ist planlos und fern der indischen Realitäten".




"Es wäre naiv, sich in einer so tiefen Krise die Welt rosa zu pinseln. Wie man die richtige Balance zwischen Optimismus und Pessimismus hinbekommt, erklärt der Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth. "




Hilfreiche Empfehlungen, wie man mit der Krise und den daraus resultierenden Ängsten umgehen kann. Mit einem Schwerpunkt auf mentale Gesundheit. Lesenswert für Alle.







Die Folgen der Krise für Selbständige, Alleinerziehende, Geringverdienende und Teilzeitkräfte.







Ein Interview mit der Krankenschwester Katja Pichler über ihren neuen Alltag.




Norbert Suttorp erforschte, wie das Influenzavirus und das Coronavirus Lungengewebe schädigen. Im Interview spricht er über den Zustand seiner Patienten und wie sich die Charité auf den Ansturm vorbereitet.







"Während etwa für Altenheime Schutzkonzepte entstanden sind, werden Behinderteneinrichtungen im Moment überwiegend sich selbst überlassen."




"Nordrhein-Westfalen will per Gesetz Ärzte und Pflegekräfte zum Dienst verpflichten. Das könnte verfassungswidrig sein. Der Widerstand der Gesundheitsberufe ist groß."










"Sie fordern Grenzschließungen, horten Lebensmittel und träumen vom Ende der Demokratie: Wie Rechtsradikale versuchen, die Corona-Pandemie für ihre Ziele zu nutzen."




"Die Gefahr rechtsextremer Anschläge könnte in der Corona-Krise wachsen.
Die Bundesregierung warnt vor Gruppen, die die Ausnahmesituation ausnutzen könnten.
Vor allem rechte Netzwerke in Polizei und Bundeswehr müssten im Blick behalten werden, fordert die Opposition." 


























Die Vorbereitung in Naironis größtem Slum Kibera auf den Virus.




"Corona schärft den Blick auf die Welt: In der weltweiten Krise treten die Schwächen und Absichten von Menschen, Gesellschaften und Systemen deutlicher denn je zutage. Diese Demaskierung kann erschüttern."




"Die autoritären Krisenmaßnahmen zielen weniger auf Gesundheitsschutz als auf die Erzwingung politischen Gehorsams" – Das ist mir wie einige andere Passagen des Artikels ein bisschen zu tendenziös. Trotzdem lesenswert, schließlich wird entscheidend sein, sich nach dem Höhepunkt der aktuellen Krise die Bürgerrechte schnell neu zu erobern!



Das Robert-Koch-Institut und die Johns Hopkins University sind ausgezeichnete Informationsquellen.




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