Sonntag, 24. Mai 2020

Künstlervorstellung: Tua


Tua schneite 2009 mit dem großartigen, düsteren und melancholischen Album "Grau" unerwartet in mein Leben und er und seine Musik werden immer einen Platz in meinem Herzen haben.
Das ist ein bisschen ungewöhnlich. Denn generell tue ich mich mit "Electro"-Beats im Hip-Hop sonst sehr schwer. Es gab einmal eine richtige Welle, mit der ich gar nichts anfangen konnte. Doch dann kam Tua mit seinen melodiösen Klängen daher und überzeugte mich auf Anhieb. Ich habe einen völlig anderen Werdegang und höre hier nicht meine eigene Geschichte in einem Spiegel. Was mich von Anfang an gefesselt hat, ist seine (oft schmerzhafte) Wahrhaftigkeit und die Fähigkeit zur Selbstreflexion und Wandlung. Tua trägt seine Seele nach außen und das auf sehr intelligente und berührende Art und Weise. Johannes Bruhns (so heißt er mit bürgerlichem Namen) scheut sich nicht, auch über die schlimmsten eigenen Verfehlungen und Abgründe zu schreiben und zu rappen oder zu singen.
Eine Zeitlang hat mich seine Musik dann inhaltlich nicht mehr so stark gecatcht. Doch auch in den Jahren, in denen ich weniger von ihm gehört habe, gab es immer ein paar Songs und künstlerisch hochwertige Videos, die mich inspiriert und überzeugt haben. Besonders gut gefallen hat mir in diesen Jahren die Zusammenarbeit mit dem Sänger Vasee (heute Vasi).

Dazu kommt noch etwas Anderes. Tua, was eine Kurzform von Tuareg ist, komponiert seine Musik selbst und ist ein riesen Improvisationstalent, der aus wenig unglaublich viel machen kann. Er sprengt Genregrenzen mit Leichtigkeit, tut immer nur das, was ihm gefällt und ist für mich ein Hip-Hop-Künstler, der seinesgleichen sucht.

2019 veröffentlichte er dann wieder ein unglaublich dichtes und atmosphärisches Album, das mich voll überzeugt hat und mir auch dabei geholfen hat, eine schwere Krise zu überstehen.
Für mich ist Tua der Mann im gesamten Rap-Kosmos mit dem größten Talent.

Ich bin kein Musikkritiker und beabsichtige auch nicht, es zu werden. Also soll der Künstler, wie in dieser Reihe beabsichtigt, selbst zu Wort kommen:

Beginnen wir also mit "Grau". Generell halte ich das ganze Album für überaus hörenswert. Das Snippet dazu findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=jpXfU-HOWO8



Nachtschattengewächs:



Dein Lächeln:



In den Himmel:



Die anderen Songs von "Grau" lassen sich ebenfalls leicht finden. Ich rate jedoch zur richtigen Dosierung!



Vodka Beat:

Hier und im folgenden Stück zeigt Tua seine Stärke als Beatproduzent, Komponist und Allrounder.



3 1/2 Minuten im Neo Magazin Royale beim Abschied von Dendemann:




Tua & Vasee - Die Stadt:

Die beiden folgenden Songs stammen aus der Zusammenarbeit mit Vasee. Großartige Texte!




Aufgeben:



Raus:

Die beiden folgenden Stücke stammten aus der EP "Raus".




Moment:




Vorstadt:

Die folgenden Songs stammen von seinem letzten Album, das schlicht "Tua" heißt.



Splitvideo - Gloria / Liebe lebt:



Dana:

Ein Song, der mich extrem berührt hat.



Ich von morgen:



Bedingungslos:



Vater:

Der bislang persönlichste Einblick, den Tua gewährt, beschreibt eindrucksvoll den Abschied von seinem Vater und von seinem Sterben. Extrem berührend, es schmerzt, bereits den Song nur zu hören!
Bitte nur anhören, wenn ihr Euch für das Thema bereit fühlt.



Wenn ich gehen muss:

Das Outro ist ein Stück für die Ewigkeit, geschrieben für seine Kinder, aber für mich ein universeller Song über das (endgültige) Abschied-Nehmen und das, was bleibt. Gänsehaut!



Auch zur aktuellen Situation in der Corona-Krise hat Tua ein Stück veröffentlicht. In seinem Sound vertont er die Stimmung, die bei ihm entstanden ist. Mit ansprechendem Text und stark visualisiert.



Ich bin äußerst gespannt, was ich noch von ihm hören darf!




Zwei Rapper von ganz anderem Schlag habe ich bereits vorgestellt:


Käptn Peng

"Seine Texte sind kreativ, nachdenklich, verschachtelt , philosophisch. In einem Moment sind sie bedeutungsschwanger und dann scheinen sie (auf den ersten Blick) sinnfrei. Und beides passt zusammen. Verbunden durch eine lässige (Selbst)-Ironie. Dazu kommt ein beachtlicher Flow, mit dem er seine komplexen Texte zum Leben bringt."

Lemur 

"Seine Texte sind gesellschaftskritisch, hinterfragen den aktuellen Zeitgeist, oft sind sie dystopisch und/oder sarkastisch. Lemur beschäftigt sich mit den Abgründen der Menschheit. Er ist ein sehr politischer Künstler, egal ob er Rechtsruck, Verschwörungstheorien oder Gentrifizierung thematisiert. Man hört, wie sehr er sich mit den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen beschäftigt. Trotzdem hat seine Musik in vielen Tracks eine angenehme Leichtigkeit, seine Kritik ist gewürzt und gebrochen durch ironische Einflechtungen, die das Ganze gut hörbar und besser verdaubar machen."

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