Freitag, 27. März 2020

Künstlervorstellung: Joint Venture


Heute komme ich zu dem Liedermacher-Duo "Joint Venture", das leider nicht mehr existiert.
Martin Simon alias Kleinti ist bereits im Jahr 2000 viel zu früh verstorben.
Götz Widmann tourt nach einer Schaffenspause seither solo durch die Lande.

Gegründet wurde Joint Venture 1993. Zwischen 1995 und 1999 erschienen die Veröffentlichungen "Dinger", "Augen zu", "Unanständige Lieder" (Live), "Ich brauch´ Personal" und "Extremliedermaching".
2002 folgte ein "Best of" unter dem Titel "Kleinti", im Gedenken an Martin Simon.
Die Akustikgitarre begleitet ihre Musik, Kleinti untermalte einige Songs auch mit der Mundharmonika. 

Götz Widmann hat seitdem viel Neues veröffentlicht. Nennen möchte ich hier das Album "Drogen" von 2003, auf dem auch viele Songs aus der Zeit von Joint Venture neu eingesungen und vertont sind. Ganz neu ist das Album "Tohuwabohu", das in diesem Jahr erschienen ist.

Sowohl Joint Venture als auch Götz Widmann haben eine größere Fangemeinde, dennoch bin ich immer wieder erstaunt, wieviele Menschen noch nie von Joint Venture gehört haben.
Mit den Liedermachern hatte ich lange nicht viel am Hut. Klar kannte ich ein paar Sachen von Reinhard May oder Herbert Grönemeyer, die mir gefallen haben. Ansonsten war das für mich unbekanntes Terrain. Viele Jahre habe ich fast ausschließlich deutschen Rap gehört. Das änderte sich, als ich Joint Venture kennenlernte und gerade in der letzten Zeit habe ich wieder viele Gruppen entdeckt, die ich auch noch vorstellen möchte.

Letzten Herbst habe ich in Bonn vor etwa 30 Leuten gelesen und zwei Songs von Joint Venture ("Ich liebe mich" und "Ne Frau, die sich mich leisten kann") gesungen. Eine echte Premiere für mich. Tatsächlich habe ich über das Singen der Texte zu Joint Venture gefunden. 2003 war ich mit dem Behindertenwohnheim, in dem ich gearbeitet habe, auf einer Freizeit. Ein Kollege hatte seine Gitarre und Songtexte von Joint Venture dabei, die wir dann zusammen zum Besten gegeben habe. Und schon war ich angefixt und habe seitdem in passenden und unpassenden (!) Momenten Lieder von Joint Venture gesungen.

Joint Venture wurden für ihre nachdenklichen, politischen und auch heiteren Texte bekannt. Alkohol und Cannabisgebrauch und -Mißbrauch werden häufig und ausschweifend thematisiert.
Außerdem haben sie wunderschöne Balladen über die Liebe und den Exzess geschrieben.

Ihre Musik ist sehr melancholisch, ein Gefühl das ich sehr mag. Für mich ist Melancholie kein (ausschließlich) negatives Gefühl. Ich liebe den süßen Schmerz. Allerdings passt das nicht in jede Lebensphase. Wenn man zuviel Schwermütiges hört, kann man tatsächlich in Depressionen verfallen. Die Dosis macht das Gift.

Es wäre jedoch ein großer Fehler, Joint Venture auf die Melancholie allein zu reduzieren, sie haben herrlich schräge Nummern produziert, voll von anarchischem und oft auch zynischem Humor.


Hier möchte ich einige meiner Lieblingslieder vorstellen. Ich beginne mit dem Song "Süffelmann". Faszinierend, wieviel Gefühl und Schmerz Kleinti in diesen Song gelegt hat:


Süffelmann




Ein Text zum Thema Selbstliebe:

Ich liebe mich




Eine geniale Persiflage zur Frau, die sich einen reichen Mann angelt:

Ne Frau, die sich mich leisten kann




Esel

Über den Unterschied beim Cannabisgebrauch zwischen "weisen Marokkanern" und dem Durchschnittseuropäer. In der Live-Version göttlich:





Darauf muss man erst einmal kommen:

Zöllner vom Vollzug abhalten auf der A4




Für mich immer untrennbar mit Freitagen verbunden:

"Freitags bleib ich gern zuhaus,
denn Freitags geht der Pöbel aus
Freitag Haufensaufenzeit
Rohrverleggelegenheit"

Freitag




Herzschmerz pur:

Wir werden es bereuen, wenn die Jahre dann vergehen




Geniale Idee, großartig umgesetzt:

Das Leben sollte mit dem Tod beginnen




Eine wunderschöne Ballade von Götz Widmann über die Liebe:

Die zwei Trauben




Einer der lustigsten Texte überhaupt:

Sitzend pinkeln




Eine extrem melancholische Nummer:

Spiegelbild



Weitere Songs, die ich empfehle:

Deine Frau, Übermorgen, Die zarte Artischocke (Live), Einsamkeit, Ich brauch Personal, Wie ich eine Frau war


Zusätzliche Informationen finden sich auf der Website des Ahuga-Labels oder auf der Homepage von Götz Widmann.

Ruhe in Frieden Kleinti!

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